Gesundheit, Modelle der

 

[engl. health models], syn. ressourcenorientierte Modelle, [GES], Gesundheitsmodelle (= G.) sind theoret. Modelle, welche die Erklärung und Bedingungen von Gesundheit in den Vordergrund stellen. Sie lassen sich abgrenzen von Krankheitsmodellen, in denen die Erklärung und die Bedingungen von Krankheiten (Krankheitsmodelle) im Mittelpunkt stehen. Die G. versuchen die Frage nach den Faktoren und Prozessen, die einen Menschen trotz vielfacher Risiken und Belastungen (Belastung, psychische, Stress) gesund erhalten, zu beantworten. Sie bilden damit eine Perspektivenerweiterung zu den ätiologischen Modellen (Ätiologie), in denen Risikofaktoren für spezif. Krankheiten und Funktionsbeeinträchtigungen betrachtet werden. I. d. R. basieren G. auf stresstheoret. Ansätzen, stellen dabei aber die Bewältigung von Belastungen und die dafür verfügbaren Ressourcen in den Mittelpunkt.

Als Ursprung der G. kann das von Aaron Antonovsky (1979, 1987) entwickelte Modell der Salutogenese gesehen werden. Er hat erstmals die Frage nach der Entstehung von Gesundheit (Salutogenese) gestellt und der Pathogenese gegenübergestellt. Auf der Basis der vorliegenden Erkenntnisse formulierte er ein theoret. Modell, das Gesundheit erklären und entspr. empirische Forschung stimulieren soll. Zentrale Komponenten dieses Modells waren eine Konzeption von Gesundheit als Kontinuum mit den beiden Extrempolen Gesundheit und Krankheit, die Annahme, dass Gesundheit wesentlich bedingt ist von der erfolgreichen Bewältigung von Belastungen auf der Basis von Widerstandsressourcen, und die Konzeption einer zw. der Stressbewältigung und den Ressourcen vermittelnden Lebensorientierung, die als Kohärenzgefühl bez. wird. Durch das Verlassen der dichotomen Einteilung in Gesundheit und Krankheit werden in das G. alle Menschen einbezogen, nicht nur kranke Menschen, sondern auch Personen ohne bzw. mit wenigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen; alle haben auch die Möglichkeit, sich in Richtung auf Gesundheit zu bewegen.

Andere G. verwenden die salutogenetische Perspektive und erweitern das Modell konzeptionell und empir.: Das Anforderungs-Ressourcen-Modell von Becker (2006) nutzt den stressorientierten Belastungs- und Ressourcenansatz für eine systemische Erklärung von Gesundheit. Im integrativen G. von Faltermaier (2017) wird der salutogenetische Ansatz durch die subj, und soziale Konstruktion von Gesundheit ergänzt; Gesundheit wird dabei nicht nur durch Reaktionen des Individuums auf Belastungen konzipiert, sondern auch aktiv hergestellt durch das handelnde Subjekt und die sozialen bzw. gesellschaftlichen Verhältnisse. G. haben eine hohe Bedeutung für die Praxis, bes. für die ­Gesundheitsförderung. Durch G. lassen sich konzeptionelle Überlegungen und Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit theoret. fundieren und Praxisansätze begründen, die Gesundheit pos. bestimmen und auf die Förderung von Ressourcen setzen.

Referenzen und vertiefende Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.