Gesundheitsbegriff, Geschichte

 

[engl. concept/definition of health], [GES, KLI], der Gesundheitsbegriff (= G.) ist gesellschaftlich und kult. geprägt, damit unterliegt er einem historischen Wandel. Die jew. Sicht der Menschen auf die Welt und auf ihr Zus.leben hat Auswirkungen auf ihre Vorstellungen vom menschlichen Körper sowie von Gesundheit und Krankheit. In historisch frühen Epochen war der G. über Jhd. religiös geprägt. Gesundheit und Krankheit wurden als göttliche Fügung gesehen. Menschen können sich durch ein gottgefälliges Leben ihre Gesundheit erhalten, ein sündiges Leben wird mit Krankheiten verbunden, die als Strafe Gottes gesehen werden. Ein drastischer Wandel dieses G. erfolgt im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. In dieser Phase einer allmählichen Säkularisierung des Weltbildes wird Gesundheit zunehmend als vom Menschen beeinflussbar gesehen. Er könne mithilfe seiner Vernunft und entspr. Verhalten Gesundheit erhalten, Krankheiten vermeiden bzw. heilen. Im Zeitalter der Aufklärung wird also die Selbstverantwortung des Menschen für die Gesundheit propagiert, mithilfe seiner Vernunft können Krankheiten verstanden und beeinflusst werden. Im 18. Jhd. wird Gesundheit zunehmend als Thema des aufstrebenden Bürgertums entdeckt und in med. Schriften erklärt. Dem Ideal des Natürlichen (Rousseau) folg. wird Gesundheit als «natürlicher» Zustand verstanden; durch schädliche Einflüsse der Zivilisation (Luxus, Laster und maßlose Lebensweise der Wohlhabenden sowie übermäßige Arbeit und Armut der arbeitenden Schichten) wird sie neg. beeinflusst, dadurch entstehen Krankheiten und die Gesundheit wird zum gesellschaftlichen Problem. In aufklärerischen Schriften von Ärzten wird Gesundheit als über die Vernunft beeinflussbar beschrieben, die Menschen sollten möglichst natürlich leben, Selbstdisziplin zeigen und sich in allen Lebensbereichen mäßigen.

Mit dem Siegeszug der Naturwiss. endet um die Mitte des 19. Jhd. diese Phase des G. Mit der Etablierung der Med. als Naturwiss. wird der Körper zunehmend als obj. messbar (Messen) angesehen und in seinen Bestandteilen analysiert; er wird in immer kleinere Einheiten (Organ, Zelle, Molekül) aufgeteilt, um Krankheiten zu verstehen. Der G. wandelt sich in Richtung Krankheit, die als Störung des Organismus verstanden wird, analog dem Defekt einer Maschine. Gesundheit ist nur die Abwesenheit von Krankheit. Damit bildet sich ein biomed. Krankheitsmodell (Krankheitsmodelle) heraus, das bis heute die Grundlage eines med. geprägten Gesundheitssystems darstellt und die med. Kontrolle des kranken Körpers in den Mittelpunkt stellt.

Erst im späten 20. Jhd. erweitert sich der G. um psych. und soziale Dimensionen, sie werden zunächst auf Krankheit bezogen (biopsychosoziales Krankheitsmodell), dann auch auf Gesundheit. Im G. der World Health Organization (WHO) aus dem Jahre 1948 wurde ein starker Impuls gesetzt, Gesundheit pos. zu formulieren, als körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden. In der folg. wiss. Auseinandersetzung um einen angemessenen G. wird Gesundheit als Zustand auf mehreren Dimensionen def. (als Wohlbefinden und Handlungspotenzial) und als Prozess gesehen, d. h., Gesundheit muss immer wieder neu hergestellt und Person und Umwelt in eine Balance gebracht werden. Der G. der Salutogenese konzipiert ein Gesundheits-Krankheits-Kontinuum und betont damit sowohl das Prozesshafte als auch die vielen Variationen zw. Gesundheit und Krankheit. Gesundheit, Dimensionen der, Gesundheit, Laienkonzepte, Gesundheit, Modelle der.

Referenzen und vertiefende Literatur

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