Gesundheitsüberzeugungen, kompensatorische

 

(= CHBs) [engl. compensatory health beliefs; lat. compensare ausgleichen], [KLI], bez. den Glauben, dass man ein ungesundes Verhalten dadurch kompensieren kann, dass man ein anderes gesundes Verhalten ausführt. Z. B.: «Es ist in Ordnung, wenn ich ein Stück Kuchen esse, solange ich morgen Sport treibe.» CHBs zählen zu den sog. kogn. Rechtfertigungsstrategien. Sie werden in Situationen aktiviert, in denen Personen einen motivationalen Konflikt zw. langfristigen Gesundheitszielen (Ziele, gesundheitsbezogene) und kurzfristigen, hedonistischen Zielen, auch als kognitive Dissonanz bez., erleben. Gemäß dem CHB-Modell kann durch die Aktivierung von CHBs der aversive Zustand der Dissonanz reguliert werden. CHBs erscheinen daher als ideale Strategie zur Lösung des motivationalen Konflikts, da sie es ermöglichen, sich entgegen der eigenen Gesundheitsziele zu verhalten, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Bei der Erfassung von CHBs unterscheidet man eine generelle und eine verhaltensspezif. Erhebung, wobei Letztere empfohlen wird. CHBs können inhaltlich richtig, teilweise richtig oder falsch sein. Die Klassifizierung ist jedoch schwierig, da med. Forschung zu Kompensationsmöglichkeiten von ungesundem Verhalten durch gesundes Verhalten selten ist oder keine klare Schlussfolgerung zulässt. CHBs sollten zudem von tatsächlichem Kompensationsverhalten differenziert werden, da eine Aktivierung von CHBs nicht notwendigerweise bedeutet, dass eine Person das intendierte gesunde Verhalten auch tatsächlich ausführt (vgl. Intentionsverhaltenslücke). Zudem konnte bisherige Forschung zeigen, dass CHBs Intentionen zur Gesundheitsverhaltensänderung sowie Gesundheitsverhalten neg. vorhersagen. CHBs stellen damit eine Barriere bei der Verhaltensänderung in versch. Gesundheitsbereichen dar.

Referenzen und vertiefende Literatur

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