Gewaltdarstellung, mediale

 

[engl. presentation of violence in the media],  [MD, SOZ], die mediale Darstellung von Gewalt (= G.) im Sinne der absichtlichen Schädigung anderer Menschen nimmt in Filmen, Fernsehsendungen, Comics, Musikvideos und insbes. in Videospielen einen breiten Raum ein. Dass der Konsum medialer G.darstellungen aggressionfördernde Effekte auf affektiver, kogn. und Verhaltensebene (Aggression) hervorrufen kann, wurde in zahlreichen Forschungsarbeiten nachgewiesen. Belege für den aggressionsfördernden Einfluss von G. in den Medien stammen aus drei Quellen: (1) experimentelle Studien, bei denen die Vpn entweder g.haltigen oder g.freien Mediendarstellungen ausgesetzt werden, um die kurzfristigen Auswirkungen dieser Manipulation auf nachfolg. aggressive Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen zu untersuchen, (2) korrelativen Studien (Korrelation), in denen der Konsum von Medieng. mithilfe von Selbstauskünften erhoben und mit gleichzeitig erfassten Maßen der Aggression in Beziehung gesetzt wird, und (3) Längsschnittstudien, in denen der Zus.hang von Medieng.konsum und Aggression im Verlauf der indiv. Entwicklung betrachtet wird. Der aktuelle Stand der Forschung ist in der Metaanalyse von Prescott et al. (2018) sowie in Krahé (2014) dargestellt. Exp. Studien belegen, dass nach dem Konsum von Medieng. der Ärgeraffekt, die Verfügbarkeit aggressiver Kognitionen sowie die Wahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens zunimmt. Dagegen nimmt die Empathie mit Opfern realer G. sowie die Bereitschaft zu prosozialem Verhalten ab. Längsschnittstudien zeigen, dass der Konsum von Medieng. im Kindes- und Jugendalter eine Zunahme aggressiven Verhaltens über die Zeit vorhersagt (Sozialisationshypothese). Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass sich aggressivere Personen verstärkt von gewalthaltigen Medien angezogen fühlen (Selektionshypothese), sodass man von einer Abwärtsspirale in der wechselseitigen Bedingtheit von Mediengewaltkonsum und Aggression sprechen kann. Als wesentliche vermittelnde Prozesse der Wirkung von Mediengewalt sind Verstärkungs- und Imitationslernen, Abstumpfungsprozesse (Desensibilisierung) sowie die Entwicklung aggressiver Verhaltensdrehbücher (Skripts) anzuführen. In einer Interventionsstudie, die auf die Reduktion des Konsums von Medieng. bei Jugendlichen abzielte, konnte ein paralleler Rückgang des aggressiven Verhaltens über einen Zeitraum von 30 Monaten nachgewiesen werden (Krahé & Busching, 2015).

[Anm. des Hrsg.: Der Beitrag Mediengewalt behandelt dieselbe Thematik. Da dieser aber zu einer leicht anderen Einschätzung der Befundlage gelangt, wurden beide Beiträge im Lexikon beibehalten.]

Referenzen und vertiefende Literatur

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