Gewaltdelinquenz

 

(= G.) [engl. violent crime; lat. delinquere Schuld auf sich laden], [PER, RF, SOZ], dient als Oberbegriff für strafrechtlich sanktionierte körperliche Aggressivität. G. schließt Formen impulsgesteuerter und instrumenteller Aggression ein, ebenso die Drohung mit Gewalt. Aus der Vielfalt von G. hat die psychol. Forschung vornehmlich solche Tatmuster herausgegriffen, die häufig Gegenstand psychol. Expertise sind, nämlich Tötungsdelikte (Beziehungstat, Raubmord, Sexualmord) und sexuelle G. (Gewaltdelikt, sexuelles). In der kriminalpsychol. Theorie ist neben die ursprünglich dominierende täterbezogene Perspektive die tatzentrierte, situationsbezogene getreten. Diese Entwicklung trägt der Tatsache Rechnung, dass auch für einen gewaltbereiten Menschen G. ein eher seltenes Ereignis darstellt (Kriminalstatistik). Sind Korrelationen zw. Persönlichkeitsmerkmalen und G. nachgewiesen, so zw. G. und mangelhafter Impulskontrolle, Empathiemangel und Sozialisationsdefiziten, dann bedarf es zur Erklärung der Tat doch der Erfassung konstellativer Faktoren in der Tatsituation. Als wiederkehrende Einflüsse dieser Art wurden u. a. interpersonale Konflikte sowie steigender Problemlösungsdruck nach Frustration (Frustrations-Aggressions-Hypothese) identifiziert, wobei geschwächter Handlungsregulation z. B. infolge Alkoholisierung besondere Bedeutung beizumessen ist. Als charakteristisch für schwere G. kann eine Eigendynamik von anfänglich diffuser zu gezielter Aggression gelten. Diesem Vorgang entspricht wachsender Handlungsdruck und Verengung der kogn. Abläufe beim Täter.

Referenzen und vertiefende Literatur

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