Grafologie

 

(= G.) [engl. graphology; gr. γράφειν (graphein) schreiben, λόγος (logos) Lehre], [PER], Vertreter der G. gehen davon aus, dass die Handschrift eines Menschen Aussagen über seine Persönlichkeit, Begabungen, Motive u. ä. enthält. Hierzu betrachtet man in der klassischen G. einzelne Schriftmerkmale (z. B. Größe der Buchstaben, Neigung der Schrift nach links oder rechts, Strichbreite, Druckstärke) und versieht sie mit best. Deutungen (z. B. Extraversion). Andere Strömungen der G. lehnen dieses analytische Vorgehen ab und lassen die Schrift auf den Betrachter wirken. Dabei soll sich beim geübten Betrachter ein realitätsgetreues Abbild der Persönlichkeit des Verfassers ergeben. Die G. ist abzugrenzen von der Arbeit von Schriftsachverständigen. Letztere deuten nicht die Handschrift, sondern vergleichen Handschriften miteinander, um z. B. zu klären, ob eine Unterschrift gefälscht wurde. Die G. wird heute zur Lebensberatung und von manchen Unternehmen zur Personalauswahl eingesetzt. Die Verbreitung nimmt immer mehr ab. Bislang liegen mehr als 200 Studien vor. Insges. sprechen die Befunde gegen die Thesen der G. Die wichtigsten Einwände: (1) Es existiert keine Begründung dafür, warum best. Merkmale mit bestimmten Eigenschaften korreliert sein sollen. (2) Störvariablen, die das Schriftbild beeinflussen können (z. B. Art des verwendeten Papiers oder des Schreibgerätes) werden nicht berücksichtigt. (3) Bei der gleichen Handschrift kommen versch. Grafologen zu unterschiedlichen Interpretationen. (4) Die Gutachten sind oft so allg. und widersprüchlich gehalten, dass nahezu jeder Mensch sich darin wiederfinden kann. (5) Bei der Deutung handschriftlicher Lebensläufe interpretieren Grafologen nicht die Handschrift, sondern den Inhalt des Lebenslaufes. Die Validität dieser Deutung ist nicht höher als die eines grafologischen Laien. Legt man Grafologen handschriftliche Diktate vor, sinkt die Validität auf Null.

Referenzen und vertiefende Literatur

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