Grounded Theory

 

(= G. T.) [engl. grounded geerdet, verankert], syn. gegenstandsverankerte/gegenstandsnahe/gegenstandsbezogene Theoriebildung, [FSE], methodologisches Konzept zur systematischen Strukturierung und Auswertung v. a. qual. Daten mit dem Ziel der sukzessiven Erarbeitung einer empirisch begründeten Theorie. In den 1960er-Jahren von Glaser & Strauss (1967) in der Tradition des Symbolischen Interaktionismus begründet und von beiden anschließend unterschiedlich weiterentwickelt. Der Begriff G. T. bezeichnet weniger eine best. Theorie oder Methode als vielmehr ein umfassendes Forschungsparadigma mit einer Reihe konkreter Strategien zur Datenerhebung und -auswertung. Die typischen Arbeitsschritte sind: (1) die Erhebung erster Daten, (2) das Kodieren (Suchen nach Kategorien und deren Eigenschaften in den Daten), (3) das Erstellen von Memos (Erinnerungshilfen) mit dem Ziel, Überlegungen zu Verbindungen zw. einzelnen Kategorien als Ansatz zu einer vorläufigen Theorie festzuhalten, (4) das Vergleichen oder Kontrastieren von Fällen zum Zweck der Überprüfung der bisher entwickelten Theorie, (5) das theoretical sampling, d. h. die Auswahl weiterer zu untersuchender Fälle mit max. unterschiedlichen Merkmalsausprägungen mit dem Ziel, die vorläufige Theorie durch Vergleichen und Kontrastierung zu überprüfen (qualitative Fallauswahl), und (6) schließlich das Abbrechen des Vergleichsprozesses und die Formulierung einer Theorie bei Erreichen eines Zustands theoretischer Sättigung, d. h., neue Fälle bringen keine substanziellen zusätzliche Erkenntnisse, es kommen keine neuen Kategorien mehr hinzu. Die G. T. ist eine der verbreitetsten Forschungsstrategien in der Qualitativen Sozialforschung. Sie wird u. a. in soziol., psychol. und gesundheitswiss. Forschungskontexten sowie in der Informatik angewendet.

Referenzen und vertiefende Literatur

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