Gruppendenken

 

(= G.) [engl. group think], [SOZ], das Konzept wurde erstmals innerhalb der Entscheidungsforschung von Janis (1971) eingeführt, um damit das Zustandekommen unangemessener und fehlerhafter Entscheidungen in Gruppen zu erklären. Zur Unterdrückung abweichender Positionen zugunsten einer favorisierten Gruppenharmonie kommt es nach Janis (1972) vor allem dann, wenn die Gruppen sehr kohäsiv (Gruppenkohäsion) sind, Personen mit abweichenden Meinungen isoliert werden und es eine direktive Führung oder Führungsperson (Gruppenstruktur) gibt. Bei einer Analyse von zahlreichen politischen Fehlentscheidungen z. B. bei der verlustreichen amerik. Invasion der Schweinebucht, dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour zeigen sich mehr oder weniger gut nachweisbar folg. Gruppenmerkmale: (1) die Illusion der Unverwundbarkeit, (2) eine nicht in Zweifel zu ziehende Gruppenmoral, (3) eine kollektive Rechtfertigung der Entscheidungen, (4) eine stereotype Wahrnehmung der Gegner bzw. der gegnerischen Position, (5) hoher Konformitätsdruck innerhalb der Gruppe, (6) Selbstzensur innerhalb der Gruppe, (7) die Illusion vollst. Einigkeit und Übereinstimmung, (8) Informationsbarrieren durch sog. Mindguards, die dafür sorgen, dass die Gruppe von Informationen abgeschnitten werden, die die Entscheidung in Frage stellen könnten.

Eine krit. Diskussion der Ergebnisse zum G. findet sich u. a. bei Schulz-Hardt (1997). Als Strategien zur Vermeidung von Gruppendenken werden vorgeschlagen (1) dass alle Gruppenmitglieder zu Beginn der Entscheidungsphase ihre Positionen darlegen (Mojzisch & Schultz-Hardt, 2010), (2) man vergebe die Rolle eines permanenten Gegenspielers (des Teufels Advokat, Nemeth et al., 2001) oder (3) man teile die Gruppe und lade Experten ein, die nicht selbst Gruppenmitglieder sind.

Verwendete Literatur

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