Gruppenentwicklung

 

(= G.) [engl. group development], [SOZ], im Laufe ihres Bestehens entwickeln Gruppen Strukturen (Gruppenstruktur) und Beziehungen, verändern sich und lösen sich schließlich wieder auf. Obwohl dieser Entwicklungsprozess für jede Gruppe ein besonderer ist, stellt sich die Frage, ob sich bei aller Unterschiedlichkeit nicht auch gewisse Gemeinsamkeiten finden. Als Antwort auf diese Frage sind eine Reihe von Modellen entwickelt worden. Eines der bekanntesten ist das Modell von Tuckman mit den Phasen Forming (Gruppenbildung und Ausformung), Storming (Auseinandersetzung um Macht und Einfluss), Norming (Normbildung) und Performing (Leistungsphase), das für die Analyse von Trainings- und Therapiegruppen (Trainingsgruppe) erstellt wurde. Häufig wird ein auf Kurt Lewin zurückgehendes Modell mit den drei Phasen Unfreezing, Change und Refreezing zitiert. Bei genauem Hinsehen stellen sich diese Phasen jedoch eher als prozessbezogene Interventionsstrategien dar (three step procedure).

Ein sozialpsychol. orientiertes Modell von Rechtien unterscheidet fünf Phasen in den Beziehungen der Gruppenmitglieder und stellt Bezüge zur sozialpsychol. Theoriebildung und Kleingruppenforschung her: (1) Fremdheit: Gruppenbildung, Suche nach Sympathie/Antipathie, Konkurrenten usw. In dieser Phase wird der Grundstein für die späteren Beziehungen innerhalb der Gruppe gelegt. (2) Orientierung: Entstehen pos. und neg. Beziehungen, Machtkämpfe und Selbstbehauptung, Normbildung, Rollenentwicklung (Gruppenrollen, Quasi-Rollen); (3) Vertrautheit: Bildung von Untergruppen und Paarbeziehungen, deutliche Norm- und Rollenstruktur (Gruppenstruktur), Leistungsbereitschaft. (4) Konformität: hohes Wir-Gefühl, u. U. hoher Gruppendruck, Entstehung von Außenseitern, Gefahr des group think; Abgrenzung gegen andere Gruppen. (5) Auflösung: Abschied; bei aufgabenorientierten Gruppen Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse, Trauer v. a. bei identitätsorientierten Gruppen; Krisen und Krisenbewältigung. Dauer und Ausprägungsgrad dieser Phasen sind gruppenspezifisch, ihre Reihenfolge ist keineswegs gradlinig; eine Rückkehr zu früheren Phasen ist eher die Regel und findet z. B. bei relevanten Änderungen in Gruppenaufgaben, in der Zusammensetzung der Mitglieder oder von äußeren (Leistungs-)Bedingungen statt.

Phasenmodelle stoßen auf berechtigte Vorbehalte, bei kritischer Nutzung besitzen sie jedoch heuristischen Wert für die Betrachtung von Gruppenprozessen. Gruppennorm, Gruppenrollen und Quasi-Rollen, Konformität, Leistung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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