Gruppensolidarität

 

(= G.) [engl. group solidarity; lat. solidaritas Verbundenheit], [SOZ], ist eine Form der Solidarität, die auf eine Gruppe bezogen ist. Sie kann durch die Theorie der G. erklärt werden (Hechter, 1987). G. trägt zur Herstellung von kollektiven Gütern bei, deren Konsum auf Mitglieder einer Solidaritätsgruppe beschränkt wird. Die Theorie der G. nimmt an, dass die Stärke des Verpflichtungsgefühls (Commitment) gegenüber der Gruppe eine direkte Funktion der Abhängigkeit der Mitglieder von der Gruppe ist. Grundlage ist das Prinzip der rationalen Entscheidung (Gruppenentscheidung; Coleman, 1990). G. bezieht sich auf exklusive Gruppen, deren Mitglieder einen privilegierten Zugang zu kollektiven Gütern haben. Die Attraktivität der Gruppe hängt von ihrer Fähigkeit ab, begehrte kollektive Güter herzustellen und sie angemessen unter den Gruppenmitgliedern zu verteilen. Rationale Egoisten werden den Gruppen beitreten, die kollektive Güter bereitstellen, die sie haben wollen. Je größer die Vorteile der eigenen Gruppe im Vergleich zur nächstbesten Gruppe sind, desto stärker ist die Abhängigkeit des Mitglieds von der gewählten Gruppe. Der Grad der Abhängigkeit wird zudem durch die Kosten bei Verlassen der Gruppe bestimmt.

G. ist eine Funktion von Kontrolle, die in der Gruppe ausgeübt wird. Eine effiziente Kontrolle der Gruppenmitglieder, die absichert, dass sich diese loyal verhalten, verstärkt die G. Geringe Kontrolle ist ein Prädiktor für geringe G.: Ist die Kontrolle zu schwach, wird ein rationaler Egoist dazu neigen, sich als Trittbrettfahrer zu betätigen, weil die Versuchung groß ist, keinen Beitrag zu leisten, während die anderen Gruppenmitglieder zum kollektiven Gut beitragen. Dieses Problem tritt häufig in großen Gruppen auf. Während die Mitglieder kleiner Gruppen Schwierigkeiten haben, Trittbrettfahren zu verbergen, werden die Mitglieder großer Gruppen i. d. R. nicht so schnell als Trittbrettfahrer enttarnt. Denn je größer die Gruppe ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung unkooperativen Verhaltens (Kooperation, Olson, 1965). Das Phänomen des sozialen Faulenzens lässt sich in diesen Zusammenhang einordnen. Unter sozialem Faulenzen (social loafing) versteht man die Tendenz, andere arbeiten zu lassen, während man selbst Zurückhaltung übt. Metaanalysen zeigen, dass sich Personen in kleinen Gruppen mehr anstrengen, um eine Aufgabe zu bewältigen, als Personen in großen Gruppen (Karau & Williams, 1993).

Referenzen und vertiefende Literatur

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