Gütekriterien

 

(= G.) [engl. psychometric quality criteria], syn. psychometrische/testtheoret. G., [DIA], zur Sicherung der Produktqualität psychol.-diagn. Verfahren (insbes. psychol. Tests) etablierte die psychol. Testtheorie sog. G. Sie umfassen Objektivität, Reliabilität (Messgenauigkeit), Validität, Skalierung (Skalierung, testtheoretisches Gütekriterium), Eichung (Normierung), Testökonomie, Nützlichkeit, ZumutbarkeitUnverfälschbarkeit und Testfairness (Kubinger, 2019; s. auch Änderungssensitivität).

Objektivität zielt darauf ab, dass versch. Durchführende bei ein und derselben Testperson zum selben Ergebnis gelangen; genauer ist zu unterscheiden zw. (1) Testleiterunabhängigkeit, (2) Verrechnungssicherheit und (3) Interpretationseindeutigkeit eines psychol.-diagn. Verfahrens. Diese drei Aspekte betreffen die Vorgabe des Verfahrens, seine Auswertung und die Interpretation der erhaltenen Testwerte. Mit Messgenauigkeit (eigentlich, aber missverständlich «Reliabilität»; aus dem Engl. besser übersetzt als «Beständigkeit» bei z. B. Wiederholungsmessung) ist der Grad der formalen Exaktheit der Merkmalserfassung (Präzision der Messung) gemeint. Validität bedeutet, dass ein psychol.-diagn. Verfahren tatsächlich diejenige Eigenschaft misst, die es zu messen beabsichtigt; häufig geht es dabei darum, dass ein Verfahren eine richtige Prognose in Bezug auf ein best. Kriterium (Verhalten in der Zukunft) gewährleistet. Unter Skalierung als Gütekriterium ist zu verstehen, dass die in einem psychol.-diagn. Verfahren def. Vorschriften, wie alle möglichen (Re-)Aktionen einer Person in Testwerte zu verrechnen sind, empirische Verhaltensrelationen entspr. wiedergeben. Eichung (Normierung) bedeutet die Relativierung der indiv. Ergebnisse eines Verfahrens in Bezug auf die Ergebnisse in einer wohldef. Population (sog. Referenzpopulation); dabei müssen Letztere aktuell sein. Mit Ökonomie (Testökonomie) ist gemeint, dass ein psychol.-diagn. Verfahren (in Relation zu Konkurrenzprodukten) wirtschaftlich ist, indem es den finanziellen Aufwand und die zeitlichen Ressourcen (sowohl seitens der getesteten Person/des Auftraggebers als auch seitens des Untersuchers/der Institution) gering hält, wobei allerdings eine höhere Wirtschaftlichkeit nicht ohne Weiteres auf Kosten eines der anderen G. gehen darf; eine besondere Möglichkeit ökonomischen Vorgehens stellt sog. adaptives Testen dar, womit trotz relativ weniger Aufgaben relativ genau gemessen werden kann. Unter Nützlichkeit ist zu verstehen, dass für ein psychol.-diagn. Verfahren insofern praktischer Bedarf besteht, als es eine relevante Eigenschaft misst, diese aber nicht auch durch ein anderes Verfahren erfasst werden kann, das alle übrigen G. mind. gleichwertig erfüllt. Die Zumutbarkeit eines Verfahrens bezieht sich auf den in Relation zum Nutzen seiner Anwendung möglichen Grad an Schonung der getesteten Person in Bezug auf deren physische und psych., also energetisch-motivationale und emot. Beanspruchung. Unverfälschbarkeit eines Verfahrens bedeutet, dass die untersuchte Person nicht durch gezieltes Verhalten die konkrete Ausprägung ihres Testwerts steuern bzw. kontrollieren kann; dem widersprechend können Persönlichkeitsfragebogen immer sozial erwünscht (soziale Erwünschtheit) bzw. in Richtung eigenen Vorteils beantwortet werden. Fairness zielt darauf ab, dass eine untersuchte Person nicht infolge ihres soziokult. Hintergrunds systematisch hinsichtlich verfahrensimmanenter Bedingungen, wie Instruktion (z. B. sprachliche Verständlichkeit), technische Handhabung (z. B. Eingabemedium am Computer) sowie inhaltliche Details des Testmaterials (z. B. religiöse Wertmaßstäbe) diskriminiert wird. Rechtsverbindlich werden diese G. jedoch erst mit der DIN 33430 («Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen»; DIN Deutsches Institut für Normung e. V., 2016) als derzeit rechtsnächster Norm. Gütekriterien qualitativer Forschungsprozesse, Teststandards.

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Referenzen und vertiefende Literatur

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