Haloperidol

 

(= H.) [engl. haloperidol], [PHA], das klassische Antipsychotikum aus der Gruppe der Butyrophenone ist seit seiner Markteinführung Ende der 50er-Jahre in der Akutpsychiatrie, aber auch in anderen Disziplinen in Notfallsituationen, praktisch unverzichtbar. Das Medikament führt hauptsächlich zu einer Blockade von D2-Dopamin-, aber auch α1-adrenergen Rezeptoren, während die Blockade von D1- und D3-Dopamin-, muskarinischen Acetylcholin-, H1-Histamin- und 5-HT2-Serotoninrezeptoren wesentlich schwächer ausgeprägt ist. Verfügbar sind Präparate zur oralen und parenteralen (intramuskulären) Verabreichung. Haloperidoldecanoat wird als Depot-Präparat eingesetzt. Oral verabreichtes H. erreicht schnell sein Plasmaspiegelmaximum (Tmax: 1,5–3,5 Stunden), die Bioverfügbarkeit beträgt ca. 60%, die  Eliminationshalbwertszeit beträgt 12-36 Stunden. Bei dem Depot-Präparat wird das Plasmaspiegelmaximum nach ca. 1–7 Tagen beobachtet, die durchschnittliche Halbwertszeit liegt bei 3 Wochen. Die  Metabolisierung erfolgt bevorzugt durch CYP3A4 und CYP2D6, der Hauptmetabolit zeigt eine geringe antidopaminerge Aktivität. Die therap. Plasmakonzentration liegt zwischen 1 und 10 ng/ml. H. ist in folgenden Indikationen zugelassen: Akute und chronische schizophrene Syndrome (Schizophrenie, Schizophrenie, Psychopharmakotherapie), organisch bedingte Psychosen, akute manische Syndrome (Manie), akute psychomotorische Erregungszustände. Nach Ausschöpfung aller anderen Behandlungsmöglichkeiten besteht eine Zulassung für  Tic-Erkrankungen (Tic-Störungen, Psychopharmakotherapie) und Erbrechen. Eine intramuskuläre Verabreichung kann in Akutsituationen erfolgen, wenn eine orale Therapie nicht möglich ist, bei akuten und chronischen schizophrenen Syndromen sowie bei psychomotorischen Erregungszuständen psychotischer Genese. Das Depotpräparat wird zur Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe bei chronischen schizophrenen und maniformen Zuständen eingesetzt. Aufgrund der gesicherten Beobachtungen, dass höhere Dosen sowie die intravenöse Gabe von H. das Risiko von QT-Verlängerungen und Torsades de pointes (TdP) erhöhen, wird eine intravenöse Verabreichung von H. seit 2010 nicht mehr empfohlen. Dies darf nur noch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen (kontinuierliches EKG-Monitoring) erfolgen. Die bereits vor Jahrzehnten zugelassenen und auch gebräuchlichen Dosierungen gelten heute als erheblich zu hoch. Bei oraler Verabreichung wird eine Dosierung zwischen 4–8 mg/d empfohlen. Laut Fachinformation der Hersteller sollte eine Tagesdosis von 30 mg H. nicht überschritten werden, wobei im extremen Ausnahmefall eine Verabreichung bis zu 100 mg am Tag möglich wäre. Solche Dosierungen sind heute obsolet. Auch früher empfohlene Erhaltungsdosen von 3–15 mg H. pro Tag, bei therapieresistenten Fällen auch mehr, müssen heute als in den meisten Fällen als zu hoch gelten. Schon Dosierungen von unter 5 mg haben sich sowohl in der Akuttherapie als auch in der Rezidivprophylaxe als wirksam erwiesen. Bei akuten Erregungszuständen können 5–10 mg i.m. innerhalb der ersten 24 h (laut Zulassung max. 60 mg parenteral oder 100 mg oral) verabreicht werden. Das Depotpräparat wird in einer Dosis von 100–200 mg (max. 300 mg) i.m. alle 4 Wochen zur Symptomsuppression, bzw. 25–150 mg alle 4 Wochen zur Rezidivprophylaxe, verabreicht. Bei älteren Pat. ist eine Dosisreduktion erforderlich. H. gilt in der täglichen Praxis, aufgrund der langjährigen Erfahrung, als potentiell einsetzbar bei akuten Erregungszuständen auch bei intoxikierten Pat. Dennoch ist eine akute  Intoxikation (Alkohol, illegale Drogen, Pharmaka) auch für die Verabreichung von H. eine relative Kontraindikation, so dass in Situationen, in denen eine Anwendung unerlässlich wird, eine anschließende engmaschige Überwachung des Pat. erfolgen muss. Das Nebenwirkungsprofil entspricht dem Nebenwirkungsprofil anderer Antipsychotika der ersten Generation. Die erforderlichen Routineuntersuchungen bei Verordnung von H. müssen, neben Laborkontrollen, auch regelmäßige EKG-Ableitungen umfassen. Kombinationen mit Arzneimitteln, die zu einer QTc-Zeit Verlängerung oder zu Hypokaliämie führen können, dürfen nur unter sorgfältiger Kontrolle erfolgen. Bei Kombination mit Inhibitoren von CPY2D6 und CYP3A4 ist mit einem Anstieg der Plasmakonzentrationen von H. zu rechnen. Hingegen wird diese durch CYP3A4-Induktoren reduziert.