Heiß, Robert

 

(1903–1974), [DIA, HIS, PER], Promotion in Philosophie an der Universität Göttingen, Habilitation an der Universität Köln, dort apl. Prof. und Leiter des Instituts für exp. Ps., ab 1943 Lehrstuhl für Philosophie und Ps. an der Universität Freiburg. Neben seinem phil. Werk wurde er durch seine Beiträge zur Persönlichkeitsps. und zur psychol. Diagnostik bekannt. In seiner «Lehre vom Charakter» und der programmatischen Schrift «Person als Prozess» entwickelte Heiß eine für jene Zeit ungewöhnliche Sicht der Persönlichkeit, nicht die Eigenschaftsstruktur, sondern den Verfestigungsprozess der Eigenschaften zu beschreiben, d. h. deren fortdauernde Entwicklung durch Selbstregulation, soziale und situative Einflüsse, dynamisch-unbewusste Antriebe und die willentliche und intelligente Kontrolle von Erlebnissen und Affekten. Heiß bezog sich auf Antrieb und Hemmung, auf die Krisen und Umbrüche der Persönlichkeit, auf Entwicklungen mit Rückbildung, Zerstörung und Umschichtung der Persönlichkeit sowie auf Grenzformen wie das Zwangsverhalten. In diesen dynamischen Abläufen sind durch Methoden der Verlaufsanalyse indiv. Prozesseigenschaften zu erkennen. Die damals neben der biografischen Anamnese verwendeten projektiven Tests und die Grafologie sind heute unüblich geworden, doch bleiben die grundsätzliche Forderung nach Prozessforschung, Zeitreihenforschung und viele der meth. Regeln der psychol. Interpretation bestehen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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