Hetzer, Hildegard

 

(1899–1991), [EW, HIS, PÄD], geb. in Wien, Ausbildung zur Fürsorgerin, ab 1922 Hortnerin, Studium der Ps. bei Karl Bühler und Charlotte Bühler, Mitwirkung an entwicklungspsychol. Untersuchungen, Studien zur Kinderarmut und zum Kinderspiel, 1927 Promotion zur Dr. phil.; 1931 als Prof. an die Pädagogische Akademie in Elbing (heute Elbląg, Polen) berufen, dort i. R. der Lehrerbildung tätig, im März 1934 Entlassung aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, jedoch ohne Begründung. Übersiedlung nach Berlin, Arbeit und Forschung im «Verein zum Schutze der Kinder vor Ausnutzung und Misshandlung» und in einem vom Jugendamt geführten Sonderkindergarten für psych. auffällige Kleinkinder; mit Kriegsbeginn Auflösung des Berliner Sonderkindergartens und Übernahme des «Vereins zum Schutze der Kinder vor Ausnutzung und Misshandlung» durch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV). Am 1.3.1942 wurde Hetzer zur NSV nach Posen, damals zum sog. Reichsgau Wartheland gehörend, versetzt. Vom 1.3. bis 15.5.1942 war sie «auf Anordnung des Reichsführers Heinrich Himmler, Reichskommissars für die Festigung dt. Volkstums, i. R. von Maßnahmen zur Eindeutschung (Germanisierung) polnischer Kinder als ps. Gutachterin in einem Gauaufnahmeheim tätig» (Herrmann & Zeidler, 2012, S. 135). Dieses Heim war in Bruckau (heute Bruczków, Wojewodschaft Wielkopolskie, dt. Großpolen). Hetzer untersuchte dort Kinder, die «eingedeutscht» werden sollten. Die genaue Tätigkeit dort und die Frage, was Hetzer über die Ziele dieser Maßnahmen wusste, werden unterschiedlich beschrieben. Nach zweieinhalb Monaten wurde Hetzer nach Posen zurückversetzt. Ende 1944 wurde sie nach einem Nervenzusammenbruch krankgeschrieben, zum Kriegsende war sie im Sanatorium in Ballenstedt im Harz, im Herbst 1946 erfolgte die Übersiedlung aus der sowjetischen Zone in den Westen. Ab Oktober 1947 war Hetzer Dozentin für Ps. am Pädagogischen Institut in Weilburg an der Lahn, 1950 dort außerplanmäßige, 1953 außerordentliche und 1959 ordentliche Prof., 1948–57 zusätzlich Lehrauftrag für Kinder- und Jugendps. an der Universität Marburg, beteiligt am Aufbau von Erziehungsberatungsstellen in Hessen. Da 1960 das Pädagogische Institut Weilburg aufgelöst wurde, erhielt Hetzer im Januar 1961 ein Ordinariat für Pädagogische Ps. an der Universität Gießen, 1967 erfolgte die Emeritierung. Hetzer lehrte jedoch noch bis ins hohe Alter. Ehrungen: 1972 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der BRD, 1979 Ehrendoktorat der Universität Marburg, 1982 Ehrenmitgliedschaft Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPS), 1984 Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP).

Referenzen und vertiefende Literatur

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