Heuristik

 

(= H.) [engl. heuristic Finderegel; gr. εὑρίσκειν (heuriskein) entdecken], [KOG, SOZ], meint allg. Begriffe und Methoden, die unsere Erkenntnis erweitern, aber selbst noch keine Beweise oder Lösungen geben, bspw. bei einer psychol. Interpretation oder einer anderen Problemlösung (Problemlösen). Es sind Annahmen, Arbeitshypothesen, vermutete Zus.hänge oder Modelle, die einen heuristischen Wert als Entwürfe oder Finderegeln haben. Die Nachteile einer solchen Vereinfachung bestehen darin, dass eine H. zwar schnell ist, aber nicht mit Sicherheit zur korrekten Lösung führt (Ggs. zu Lösungsalgorithmus). Verallgemeinerte und in das Verhaltensinventar bei Urteilsprozessen fest eingegangene H. sind z. B. die von D. Kahneman und A. Tversky systematisch untersuchten H. der Repräsentativität und Zugänglichkeit (representativeness und availability). Der Repräsentativitätsheuristik liegt die implizite Annahme zugrunde, dass Ereignisse, die für einen Prozess typischer sind, auch wahrscheinlicher sind (z. B. beim Roulette die Sequenz «RRSRSS» gegenüber «RRRSSS»). Die Zugänglichkeitsh. basiert darauf, dass leichter erinnerbare Ereignisse als wahrscheinlicher angenommen werden. D. Kahneman und A. Tversky setzen diese H. in Beziehung zu geometrisch-optischen Täuschungen. Ein Spezialfall der Repräsentativität ist die Monte-Carlo-Täuschung (Monte-Carlo-Effekt). Insbes. nach G. Polya besteht eine H. aus vereinfachenden Annahmen, mit deren Hilfe ein Problem schneller gelöst werden kann als ohne Vereinfachung. [Autor: A. Zimmer]

H. können auch als Regeln verstanden werden, die versuchen, die wesentliche Information zu identifizieren und den Rest zu ignorieren. Ignorieren kann zu robusten Urteilen führen, wenn man das Optimale nicht berechnen kann. Bsp. für H. sind Entscheidungen (Entscheiden), die nur auf einem guten Grund beruhen (Entscheidungsheuristiken, «take the best»; «fast and frugal trees»), die Rekognitionsheuristik und soziale Regeln wie «imitiere, was die Mehrheit macht». H. können schnell und genau Kategorisierungen, Inferenzen oder Entscheidungen treffen.Ein zweites Werkzeug, um sich in einer unsicheren Welt zu orientieren und neue Zus.hänge zu sehen, sind Analogien. Sie stellen einen Bezug zw. einem bekannten Objekt (Prozess) und einem neuen, weniger gut verstandenen Objekt (Prozess) her und erlauben damit Schlussfolgerungen. [Autor: G. Gigerenzer]

Denken, heuristische Methoden, Forschungsprogramm, Entscheidungsheuristiken, heuristische Regelnkognitive FehlerNeun-Punkte-Problem, Risikokompetenz.

Verwendete Literatur

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