Hirnasymmetrie

 

(= H.) [engl. brain/hemispheric asymmetry], [BIO], die H. ist ein fundamentales Organisationsprinzip des menschlichen Gehirns, findet sich aber auch bei vielen anderen Spezies. H. bezeichnet die strukturellen und funktionellen Unterschiede der linken und rechten zerebralen Hemisphäre. Anatomisch weist die linke Hemisphäre u. a. ein größeres spezif. Gewicht auf, relativ mehr graue Substanz und eine längere Sylvische Furche. Das Planum temporale (Teil des Wernicke'schen Zentrums) ist in der linken Hemisphäre größer und erlaubt wegen seines spez. kortikalen Aufbaus eine komplexe Verarbeitung von Sprachlauten. Die rechte Hemisphäre ist u. a. schwerer, hat ein längeres Schädelinnenmaß und weist eine Verdoppelung des Heschl’schen Gyrus (auditorischer Kortex) auf. Funktionell dominiert die linke Hemisphäre bei Sprach- und motorischen Prozessen. Die rechte Hemisphäre hat Vorteile bei der Raumkognition, Gesichtserkennung und der emot. Verarbeitung. Generell wird von einem pos. Zusammenhang zw. der Stärke der H. und der kogn. Leistung ausgegangen. Dieser konnte allerdings bis heute nicht eindeutig belegt werden. Die H. ist ein relatives, kein absolutes Maß, da beide Hemisphären an der Kontrolle fast jeden Verhaltens beteiligt sind. Funktionelle H. sind nicht statisch, sondern können dynamischen Veränderungen unterliegen (z. B. durch hormonelle Faktoren). H. zeigen starke interindiv. Unterschiede, die u. a. vom Alter, dem Geschlecht (siehe strukturelle und funktionelle Geschlechtsunterschiede) und der Handpräferenz abhängen. Atypische, d. h. reduzierte oder invertierte H. werden mit versch. psych. Störungen in Verbindung gebracht, wie z. B. der Schizophrenie und neuronalen Entwicklungsstörungen (z. B. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Dyslexie). H. lassen sich im gesunden Gehirn mit spez. neuropsychol. Techniken nachweisen (z. B. dichotisches Hören; dichotisch) sowie mit elektrophysiol. (Elektrophysiologie) und bildgebenden Verfahren.