Hirnschädigung

 

(= H.) [engl. brain injury], [BIO], Sammelbez. für Störungen im Zentralnervensystem versch. Genese und Auswirkung, z. B. vor der Geburt: durch Viren, Gifte, Medikamente, Vitaminmangel; bei der Geburt: durch Verletzung, Sauerstoffmangel; im weiteren Lebensablauf: durch Schädelbruch, Zerebralsklerose. Frühkindliche H., Bez. für Schäden nach Einwirkungen zw. 6. Schwangerschaftsmonat und Ende des 1. Lebensjahres. Psychische Symptome auf dem Boden funktioneller Hirnschäden bilden sich mit Erholung des Gehirns spontan zurück. Eine Verbesserung der psych. Symptomatik auf dem Boden struktureller Hirnschäden ist durch die sog. Plastizitätsreserve des Gehirns (Plastizität) ebenfalls möglich. Im Einzelfall können mehrere Jahre vergehen, ehe sich im Zusammenwirken von Primärpersönlichkeit, psych. Schädigung organischer Genese und Krankheitsverarbeitung ein neues Gleichgewicht eingestellt hat und der bleibende Schaden fassbar wird. Psychische Dauerschäden können kogn. Ausfälle (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Ausdauer, Schnelligkeit, Flexibilität) und Störungen des Verhaltens und Erlebens (Stimmung, Antrieb, Erregbarkeit, Selbstwahrnehmung, Psychomotorik) sein.

Therap. Maßnahmen, meist im interdisziplinären Team, setzen je nach Art der Störung an unterschiedlichen Stellen an (u. a. Übungen zu Sprache, Konzentration, Problemlösen, Umgang mit Emotionen, Verarbeitung des Verlustes von Funktionen, Vermitteln von Informationen an Pat. und Angehörige). Die Beeinträchtigungen haben auch Konsequenzen für die Art der Therapie: Bei sprachlichen Problemen können Musik- und Maltherapie eingesetzt werden, und oft ist das Vorgehen sehr strukturiert. Der Einbezug von Angehörigen und die Unterstützung einer oft notwendigen neuen Rollenverteilung ist essenziell. Rehabilitationsmaßnahmen beziehen sich auf soziale, familiäre und berufliche Reintegration. Das Ergebnis ist abhängig von der Primärpersönlichkeit, Ausmaß und Lokalisation der Hirnschädigung, Lebensalter, familiärer und sozialer Integration sowie der versicherungsrechtlichen Absicherung. Während die Wirksamkeit einzelner Therapieansätze gesichert ist, steckt eine umfassendere, alltagsrelevante Wirkungskontrolle noch in den Anfängen. Identität.