Hochbegabung, Entwicklungskonstanz

 

[engl. giftedness, developmental constancy], [EW, KOG, PER], bei der Entwicklungskonstanz (= E.) intellektueller Hochbegabung werden drei Perspektiven unterschieden: (1) Qualitative E. als Stabilität der Intelligenz-/Begabungsstruktur. Diese ist bis zum 6. Lebensjahr kaum gegeben. Mit zunehmendem Alter/ansteigender Begabungshöhe differenziert sich die Begabung aus. Im Alter wird eine Strukturvereinfachung (Dedifferenzierung) beobachtet. (2) Intraindividuelle E. als Stabilität des bis zum 20./25. Lebensjahr neg. akzeleriert ansteigenden (absoluten) Begabungspotenzials (Niveau). Sein stärker biol. verwurzelter fluider Teil fällt danach progredient ab, der kulturnähere kristalline bleibt für Jahrzehnte unverändert (Intelligenz, kristalline und fluide). Im höheren Alter stellt sich – bei großer interindiv. Varianz und weniger ausgeprägt bei Hochbegabten – ein biol. bedingter Begabungsabbau ein. (Bei spezif. Talenten, z. B. im Schachspiel, wird i. d. R. nur die E. des absoluten Leistungsniveaus, das stark von der Übungsquantität und -qualität abhängt [Expertise], betrachtet.) (3) Interindiv. E. als Stabilität der begabungsbezogenen Position (z. B. IQ) innerhalb einer Bezugsgruppe (oft: Altersgleiche). Im Vorschulalter wird diesbezüglich kaum E. beobachtet. Nach dem Eintritt in die Grundschule ist bei Hochbegabten schon eine für prognostische Zwecke (kurz- bis mittelfristig) brauchbare Positionskonstanz vorhanden. Sie nimmt dann schnell zu. Ab dem Alter von 12 bis 14 Jahren liegt eine über Jahrzehnte hinweg hohe Rangordnungskonstanz von Intelligenz/Begabung vor (differentielle Stabilität). Aus stat. Gründen (u. a. Regression zur Mitte; Messfehlerbehaftetheit der Tests) kann man bei wiederholter Messung keine identischen Extremwerte erwarten. Aus (1) und (3) sowie dem Mangel an einschlägigen zuverlässigen und gültigen Tests für Vorschulkinder folgt, dass in diesem Alterbereich eine über Jahre hinweg zuverlässige Prognose von Hochbegabung problematisch ist (Hochbegabung, frühe Indikatoren).

Verwendete Literatur

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