Hochbegabung, intellektuelle

 

(= H.) [engl. intellectual giftedness; lat. intellectus Erkenntnisvermögen], [KOG, PÄD, PER], kann definiert werden als eine sehr hohe Ausprägung der allg. Intelligenz i. S. einer indiv. Disposition, wobei jew. versch. spezif. Intelligenzfaktoren (z. B. verbale, numerisch-math., räumlich-abstrakte) in unterschiedlichem Ausmaß vorhanden sein können. Neben diesem psychometrisch orientierten Ansatz werden auch kognitionspsychol. ausgerichtete, mehrdimensionale Konzepte der H. diskutiert, so u. a. Sternberg, 1986, Heller et al., 1993. Zum besseren Verständnis des Begriffes der H. ist eine Klärung der psychol. Konstrukte Begabung und Intelligenz erforderlich. Bei Begabung handelt es sich um einen Fähigkeitsbegriff, der oft syn. oder sinnverwandt mit Intelligenz verwendet wird. Der begrifflichen Klarheit wegen ist es jedoch vorteilhaft, Intelligenz und Begabung voneinander abzugrenzen, zumal eine Vielfalt von menschlichen Begabungen in versch., voneinander relativ unabhängigen Leistungsbereichen vorzufinden ist. Es lassen sich fünf Begabungsbereiche abgrenzen, die wiederum versch. Fähigkeitsdimensionen enthalten können, die auf inhaltlich unterscheidbare Leistungsbereiche bezogen sind: (1) Intellektuelle Begabung (= Intelligenz), (2) soziale Begabung (= interpersonale Kompetenz), (3) musische Begabung (= Musikalität), (4) bildnerisch-darstellende Begabung, (5) psychomotorische (praktische) Begabung. Hierbei wird Intelligenz gleichgesetzt mit intellektueller Begabung, deren spezif. Fähigkeitsdimensionen (Intelligenzfaktoren) wie verbale und math. Intelligenz, räumlich-abstraktes Vorstellungsvermögen usw. am bekanntesten sind (vgl. auch Intelligenzen, multiple).

Die Annahme einer relativen Unabhängigkeit der fünf Begabungsbereiche bedeutet, dass z. B. ein Kind in einem, in mehreren, in allen oder keinem Bereich hoch begabt sein kann. So kann es musisch und intellektuell hochbegabt sein, nur bildnerisch-darstellend hoch begabt oder sozial und psychomotorisch hoch begabt bei gleichzeitig über-, unter- oder durchschnittlicher Ausprägung der jew. anderen Begabungsbereiche. Im Unterschied zu einer Begabungskonzeption von Heller & Hany (1996) wird hier Kreativität nicht als eigener Begabungsbereich angenommen, da kreative Leistungen bzw. Produkte, die als Ausdruck von Kreativität gewertet werden, in allen fünf genannten Leistungsbereichen auftreten können. Bezüglich der intellektuellen Begabung zeigen Intelligenzfaktoren wie Einfallsreichtum, Flexibilität des Denkens oder Wortflüssigkeit, dass divergenten oder kreativen Denkfähigkeiten innerhalb des Konstruktes Intelligenz Rechnung getragen wird.

I. S. eines Bedingungsmodells kann postuliert werden (Stapf & Stapf, 1988), dass dispositionellen Fähigkeiten für herausragende Leistungen nur notwendige, aber nicht hinreichende Bedingungen darstellen. Ob es zu außergewöhnlichen Leistungen kommt, hängt neben den dispositionellen Bedingungen von dem Einfluss vielfältiger Faktoren ab, wie z. B. Erfahrungen in der sozialen und physischen Umwelt wie Familie oder Schule. Diese Faktoren, die zw. Dispositionen und Leistungen vermitteln, können sich förderlich oder hemmend auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirken. Auf welchen Gebieten überragende Leistungen erbracht werden, hängt neben den spezif. Fähigkeiten (z. B. math. oder sprachliche Begabung, Einfallsreichtum) von den Interessen, der Motivation sowie den spez. Sozialisationsbedingungen in Familie, Kindergarten und Schule einschließlich biografischer Zufälle ab. Hier wird schon deutlich, dass es nicht schlechthin «die Hochbegabten» gibt. Vielmehr sind versch. Gruppen von Hochbegabten zu unterscheiden, die einerseits in der Intelligenzausprägung (z. B. Hoch- und Höchstbegabte) und andererseits in ihrem Intelligenzprofil mit den spezif. Fähigkeitsdimensionen Unterschiede aufweisen. Daher ist es verständlich, dass über das Merkmal der sehr hohen Intelligenz als äußerst effizienter Informationsaufnahme und Informationsverarbeitungsfähigkeit hinaus nur wenige gemeinsame, für alle Hochbegabten geltende Eigenarten angeführt werden können.

Unter Beachtung des Einflusses der oben genannten vermittelnden Faktoren wird verständlich, warum bspw. ein Kind im Vorschulalter von den Eltern oder Psychologen als hochbegabt erkannt wird, in der Schule vom Lehrer jedoch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht bemerkt werden, weil best. hemmende Faktoren (z. B. Angst vor fremden Personen, zu leichte, unterfordernde Aufgaben) ein Zeigen herausragender Leistungen behindern. Hochbegabung, frühe Indikatoren, Hochbegabung, Entwicklungskonstanz, Hochbegabungsberatung, Study of Mathematically Precocious Youth (SMPY).

Referenzen und vertiefende Literatur

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