Hologrammtheorie des Gedächtnisses

 

(= H.) [engl. holographic theory of memory], [BIO, KOG], Theorie aus den 1970er-Jahren, die das Einlesen, Speichern und Reproduzieren, aber auch das Recodieren und Vergleichen von Informationen in Neuronennetzwerken wie dem Kortex mit der gleichen math. Struktur erklärt, die auch für die physikal. (Licht-)Holografie gilt. Die H. basiert auf dem anatomischen und physiol. Nachweis, dass die kortikale Erregungsausbreitung durch räumlich-zeitlich periodische Funktionen mittels der Fourier-Analyse, also letztlich durch sich überlagernde Sinusschwingungen analog den elektromagnetischen Schwingungen im Lichthologramm, zureichend beschrieben werden kann. Die für holografische Prozesse charakteristischen Interferenzen sind im Nervengewebe (Nervensystem) grundsätzlich möglich. Die H. vermag wichtige kogn. Phänomene mit neurophysiol. Gegebenheiten in Einklang zu bringen: z. B. schnelle Vergleichsprozesse, Invariantenbildung bei der Mustererkennung, Abstraktion (Abstraktionsvermögen) und Speicherung des Wesentlichen bei komplexen Reizen (etwa Bildern und Texten), Scheitern des Versuches, Speicherplätze für best. Gedächtnisinhalte physiol. zu lokalisieren, Aufrechterhaltung von Funktionen bei Hirnschädigungen usw. Die H. ist inzwischen von der Theorie der neuronalen Netze und der verteilten Parallelverarbeitung (PDP) verdrängt worden, die diese Phänomene ebenfalls erklären können und einen wichtigen Grundansatz der allg. Kognitionswiss. darstellen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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