Holophrase

 

(= H.) [engl. holophrasis; gr. ὅλος (holos) vollständig, φράσις (phrasis) Redeweise], [EW, KOG], holophrastische Äußerung, nach Werner (1959) vorlinguistische Form einer sprachlichen Äußerung bei Kleinkindern, best. Völkern und psych. erkrankten Personen, die aus einem einzigen sprachlichen Zeichen besteht. Dieses steht noch nicht konstant für einzelne abgegliederte Gegenstände oder Tätigkeiten, sondern drückt jew. eine konkrete Gesamtsituation aus, die Gegenstände und Handlungsabläufe ebenso umfasst wie emot. Qualitäten; es sollte daher weder als Wort noch als Satz – also auch nicht als Ein-Wort-Satz – bez. werden. Z. B. äußert ein Kind «Ball» dann, wenn es seinen verlorenen und dem Gesichtsfeld entschwundenen Ball wiedererlangen möchte; aber auch beim Anblick des Mondes, auf den es hinweisen möchte. Zum Verständnis einer H. ist die Gesamtsituation, in der sie geäußert wird, als vereindeutigender Kontext (Bedeutung) erforderlich; zu ihrer Übersetzung in die Sprache des Erwachsenen wird ein ganzer Satz benötigt. Ein ebenfalls nur aus einem einzigen Wort bestehender Befehl (z. B. «Geh!») ist daher weder eine H. noch ein Agrammatismus. Entwicklungs-psycholinguistische Aspekte (Sprachentwicklung) der H. wie auch des Telegrammstils und einer Pivot-Grammatik bespricht Brown (1973). Er betont die Überlegenheit einer rich interpretation (der Einbeziehung auch semantischer und pragmatischer Relationen, z. B. durch Bloom, 1970) gegenüber einer lean characterisation (der ausschließlichen Annahme einer Basis von grammatikalischen Regeln i. S. von Chomskys Kompetenz, z. B. durch McNeill, 1970) bei der Erklärung dieser kleinkindlichen Sprachäußerungen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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