Ich-Erschöpfung

 

[engl. ego depletion], syn. volitionale (willentliche) Erschöpfung, [EM, KLI, PER], beschreibt das Phänomen, dass bei aufeinanderfolg. Aufgaben, die alle eine willentliche Anstrengung (Ich-Kontrolle, syn. Selbstkontrolle) erfordern, die Leistung in den späteren Aufgaben verringert ist. Die zentrale Annahme des Ich-Erschöpfungs-Modells besagt, dass alle willentlichen Anstrengungen (z. B. Ausdauer bei schwierigen Aufgaben, Impulse unterdrücken, eine Diät einhalten, eigene Gefühle regulieren) auf eine allg., innere Ressource (Volition, Wille) zugreifen, deren Kapazität begrenzt ist und daher durch Gebrauch kurzfristig erschöpft. Wer z. B. beim Betrachten eines lustigen Films nicht lachen darf, ist anschließend weniger ausdauernd bei einer schwierigen Puzzleaufgabe, weil er im Vergleich zu jemandem ohne Lachverbot schon mehr Willenskraft verbraucht hat. Der Wille wird mit einem Muskel verglichen, der durch Gebrauch (Ich-Kontrolle) kurzfristig erschöpft, langfristig aber gestärkt wird. Ängstliche Selbstmotivierung und Selbstdisziplin sind Bsp. für diese anstrengende, erschöpfende Form willentlicher Steuerung. Das Ich-Erschöpfungs-Modell ignoriert allerdings die anstrengungsarme Form der Selbststeuerung, die schwierige Anforderungen und sogar Rückschläge so bewältigt, dass Willenshandlungen nicht ermüden, sondern beflügeln. Gesundheitsverhaltensänderung, multiple.

Referenzen und vertiefende Literatur

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