Identifizierung

 

(= I.) [engl. identification; lat. idem derselbe, facere machen], [BIO, PER, RF]. Die biol. I. eines Menschen kann anhand von morphologischen Kennzeichen (u. a. Gebiss, Papillarlinien der Fingerkuppe), polymorphen Serumgruppen, Enzymvarianten, in immunologischen Merkmalen (HLA-Antigene) und in der DNA-Analyse, d. h. Markierung der Nukleotid-Sequenzen (Chromosomen-Strichcode, Gentest) vorgenommen werden. Diese Aufgabe stellt sich in der kriminalistischen Täter- oder Opfer-Spurenkunde, in der Rechtsmedizin und bei Vaterschaftsnachweisen (Schleyer et al., 1995). Die Einmaligkeit eines Menschen wird auch in seiner immunologischen Individualität deutlich. Das auf dem Chromosom 6 lokalisierte humane Leukozytenantigen-System (HLA-Genkomplex, Human Leukocyte Antigen) ermöglicht einen millionenfachen Formenreichtum (Polymorphismus) von HLA-Phänotypen. Die Immunreaktionen und Histokompatibilitätsantigene bilden sich lebenslang in ständiger «antigener» Auseinandersetzung durch «Erfahrung von Fremdem» und von Körpereigenem zu einem «biol. Selbst» heraus. Insofern kann hier eine Entsprechung zum psych. Ich gesehen werden, das sich ebenfalls aus angeborenen Grundlagen ausdifferenziert und durch Erfahrung zur Selbsterkennung gelangt (Erkennen als geistiger und molekularer Prozess, Cramer, 1991; Organisms and the Origin of Self, Tauber, 1991). Humangenetik und Immunologie haben zu einem neuen Verständnis der biol. Einmaligkeit, Unverwechselbarkeit und «Selbsterkennung» geführt.

[KLI], psychoanalytisches Konzept; die I. bezeichnet einen psych. Vorgang, durch den sich das Ich herausbildet, indem es Eigenschaften eines bedeutsamen anderen (des sog. Triebobjekts) assimiliert und sich nach diesem umbildet. Die I. kann sowohl Teile dieses Objekts als auch das ganze Objekt betreffen. Freud hatte in seiner Schrift «Trauer und Melancholie» das klin. Phänomen beschrieben, dass der Melancholiker das verlorene Objekt (z. B. den Verstorbenen) im Ich wieder aufrichtet, dass also eine Objektbesetzung durch eine I. abgelöst wird. Er generalisierte diese Einsicht und stellte die allg.gültige These auf, dass das Ich der Niederschlag der aufgegebenen Objektbesetzungen ist. Beim Untergang des Ödipuskomplexes wird die I. zum wesentlichen Mechanismus in der Bildung der Geschlechtsidentität und der Objektwahl: Die Entwicklungsaufgabe des Jungen lautet: Er soll die Objektbesetzung der Mutter aufgeben und an ihre Stelle eine Vateridentifizierung setzen. In analoger Weise soll das Mädchen die Vaterbesetzung aufgeben und eine Mutteridentifizierung an deren Stelle setzen. Die Einverleibung ist entwicklungsgeschichtlich gesehen ein Vorläufer der I. Sie kann als das psychosomatische Vorbild der I. betrachtet werden.

Referenzen und vertiefende Literatur

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