Identität

 

(= I.) [engl. identity; lat. idem derselbe], [BIO, PER, SOZ], beschreibt die Art und Weise, wie Menschen sich selbst aus ihrer biografischen Entwicklung (Biografie) heraus in der ständigen Auseinandersetzung mit ihrer sozialen Umwelt wahrnehmen und verstehen. Wichtige Bestimmungsstücke, die in die Konstitution der eigenen I. eingehen, sind z. B. Geschlecht, Alter und soziale Herkunft, Ethnizität, Nationalität und Gruppenzugehörigkeiten, Beruf und sozialer Status, aber auch persönliche Eigenschaften und Kompetenzen. Die I.konstitution verlangt die Abgleichung einer reflexiven Betrachtung des eigenen Selbst mit den Rückmeldungen des sozialen Umfelds (Identität und Selbst, organisationale Identifikation, SIDE-Modell); um eine best. I. für sich beanspruchen zu können, muss der Mensch sie in sozialen Interaktionen aushandeln. Weitere wichtige Herausforderungen für die I.arbeit bestehen in der Notwendigkeit einer Ausbalancierung von Kontinuität und Veränderung der eigenen Person, in der Aufgabe, sowohl einzigartig als auch gleich wie andere sein zu sollen, und in dem Bedürfnis, sich in der Auseinandersetzung mit der Welt als handlungsmächtig zu erleben. Dies bedeutet auch, dass I. unter wechselnden Lebensbedingungen immer wieder neu angepasst werden muss und I.konstitution eine lebenslange Aufgabe ist (Identitätsentwicklung). Hirnschädigungen und ihre Folgen können mit schweren I.krisen einhergehen. Durch die Verluste kogn. und sozialer Kompetenzen und die Einschränkung von psych. und alltagspraktischen Anpassungsleistungen, die körperl. Einbußen und die erzwungene Aufgabe von Rollen und Aktivitäten kann es zu Selbstwerteinbußen und Sinnverlust kommen. Auch die Rückmeldungen des sozialen Umfeldes können belastend und kränkend werden, wenn zw. der Selbstwahrnehmung und den Verweisen der Angehörigen auf die Einschränkungen und Defizite Diskrepanzen entstehen, die zu Konflikten und einer tiefgreifenden Verunsicherung der I. führen.