Identität, diffuse; Identitätsdiffusion

 

(= I.) [engl. identity diffusion; lat. diffundere auseianderfließen lassen], [EW, PER], das von Erikson (1968) vorgeschlagene Kontinuum der Identitätsfindung (Identitätsentwicklung) erstreckte sich von der I. bis hin zur erreichten Identität (Entwicklung, psychosozialer Ansatz nach Erikson). Erikson meinte, dass das Individuum auf der Suche sei und eine gewisse Rollen- oder I. erleben müsse, um Entscheidungen (Entscheiden) i. S. der Identitätsbildung treffen zu können. In der Kategorisierung von Marcia (1966) sind Jugendliche im diffusen Identitätsstatus nicht auf der Suche. Sie haben tiefe Werte sowohl in Exploration als auch in der Verpflichtungsdimension. Sie haben sich wie Jugendliche in der kritischen Identität) noch nicht festgelegt, was ihre Wahlen und Werte in vielen Bereichen betrifft. Jugendliche mit I. haben aber keine ausgeprägten Interessen und können resp. wollen sich für nichts entscheiden. Sie wirken eher desorientiert, Jugendliche mit I. weisen tiefere kogn. Leistungen auf als Jugendliche mit erarbeiteter Identität (Marcia, 1966). Sie sind mit ihren Eltern unzufrieden, ziehen sich von sozialen Kontexten zurück und projizieren aggressive Gefühle auf andere. Sie zeigen auch mehr Hoffnungslosigkeit als andere. Letzteres entspricht ihrem Zustand der Unentschiedenheit und des Desinteresses (Flammer & Alsaker, 2002). Zusätzlich fanden Zimmermann & Becker-Stoll (2002) einen Zusammenhang zw. dem unsicher-distanzierten Bindungstyp (dismissive;Bindung) und I. Bei der Gruppe der Jugendlichen mit I. kommt die Frage auf, ob es sich nicht um eine spez. belastete Gruppe handelt, die von vielen Problemen gezeichnet ist, und dementsprechend über wenig Ressourcen verfügt, die vorhanden sein müssten, um sich auf die Suche nach identitätsrelevanten Werten zu begeben.

Verwendete Literatur

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