Identität, erarbeitete

 

(= e. I.) [engl. identity achievement], [EW, PER], Jugendliche, die eine e. I. aufweisen, haben sich normalerweise nach einer Periode der Suche gewissen Werten (Werte) verpflichtet. D. h., sie haben hohe Ausprägungen in den Dimensionen Verpflichtung gegenüber identitätsrelevanten Werten und Exploration. Dieser Zustand zeichnet sich aus durch einen festen Standpunkt, Zielstrebigkeit, Ruhe, Bestimmtheit sowie Freundlichkeit. Dass Jugendliche mit einer e. I. häufig sicher gebunden sind, scheint heute auch gut belegt zu sein. Dieser Befund ist in Übereinstimmung mit der Bindungstheorie (Bindung), aufgrund der man annehmen kann, dass sicher gebundene Jugendliche mehr explorieren würden, da sie in den Eltern eine sichere Base haben, zu der sie immer zurückgehen können, um u. a. ihre Erfahrungen zu diskutieren (Alsaker & Kroger, 2007).

Jugendliche mit e. I. sind stressresistent in Bezug auf intellektuelle Leistungen, sie weisen große Ausdauer auf, haben ein realistisches Anspruchsniveau und geringfügig tiefere Autoritarismus- (autoritäre Persönlichkeit) und Verletzbarkeitswerte als Jugendliche in anderen Identitäts-Status (Marcia, 1966, Identitätsmodell von Marcia). Sie zeigten sich in Untersuchungen als resistenter gegen soziale Beeinflussung in Gruppensituationen (Konformität, Gruppennorm). Sie haben einen höheren Selbstwert und sind offen für Neues (Flammer & Alsaker, 2002). In ihrer Moralentwicklung (Entwicklung, moralische) sind sie vermehrt auf der postkonventionellen Stufe zu finden (Skoe & Marcia, 1991). Wenn man werktätige Jugendliche mit Studierenden vergleicht, so findet man, dass Jugendliche, die bereits im Arbeitsleben integriert sind, häufiger im Zustand der e. I. sind, im Vergleich zu ihren studierenden Gleichaltrigen. Dieser Befund entspricht der Tatsache, dass Lehrlinge und junge Arbeiter sich früher ein klares Bild über ihren beruflichen Wert und ihre beruflichen Ziele machen müssen. Da ihre soziale Umgebung altersheterogener ist, sind sie auch früher aufgefordert, sich zu versch. Sachinhalten eine Meinung zu bilden und diese zu vertreten (Flammer & Alsaker, 2002). Junge heranwachsende Menschen müssen heute in westlichen Kulturen den Inhalt ihres Lebens zu einem sehr großen Anteil selbst gestalten. Es stellt sich allerdings die Frage, ob alle tatsächlich die gleichen Wahlmöglichkeiten der Selbstdefinition haben und ob die Verantwortung für die Identitätsbildung nicht oft eine Überforderung darstellt (Alsaker & Kroger, 2007). In letzter Zeit finden viele Autoren, dass der Status der e. I. sich trotz der vielen Möglichkeiten der Selbstdefinition als schwer erreichbar zeichnet. Hohe Prozentanteile von älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben diesen Status nicht erreicht und befinden sich im Status der kritischen Identität, der übernommenen Identität oder auch der diffusen Identität (Kroger, 2007). Identitätsentwicklung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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