Identität, übernommene

 

(= ü. I.) [engl. foreclosure], [EW, PER], aufgrund seiner empirischen Studien betrachtete Marcia (1966) die ü.I. als eine wenig entwickelte Stufe unter den I.status. Dies beruhte darauf, dass die Jugendlichen in diesem Status wenig Exploration zeigten. Jugendliche im Status einer ü. I. sind nämlich hoch im Bereich der Verpflichtung (auch Entschiedenheit genannt) gegenüber identitätsrelevanten Werten, aber tief im Bereich der Exploration. D. h., dass sie identitätsrelevante Werte haben, aber sie haben diese nicht exploriert. Sie haben ihre Werte meistens durch Identifikation von anderen (meistens ihren Eltern) übernommen (Identitätsentwicklung). Dementsprechend haben sie sich nicht aktiv mit der Passung ihrer Interessen und Werten an die Gegebenheiten ihrer Kultur auseinander gesetzt. Empirische Studien haben gezeigt, dass sie Autorität und Gehorsam befürworten, weniger Stress aushalten als Jugendliche mit einem erarbeiteten Identitätsstatus (Identität, erarbeitete), wenig offen für Neues sind, dass ihr Selbstwert leicht verletzbar ist (Selbstwertstabilität) und dass ihre moralische Argumentation als präkonventionell oder konventionell eingestuft wird. Dafür scheint ihre Autoritätsgläubigkeit, ihre Entschiedenheit und geringe Exploration sie vor Ängstlichkeit zu schützen (Alsaker & Kroger, 2007).

Die Tatsache, dass ü. I. als ein relativ unreifer Status der I. (Identität, entwicklungspsychologische Perspektive) betrachtet wird, ist historisch und kult. zu relativieren. Die Freiheit, die dem Einzelnen bei der Selbstdefinition gewährt wird, hat sich mit dem gesellschaftlichen Wandel geändert. In Zeiten, in denen das Individuum über den sozialen Rang und die Familienzugehörigkeit definiert wurde und in denen religiöse Dogmen nicht infrage gestellt wurden, wie etwa im Mittelalter (Baumeister, 1986), war die Frage der Selbstdefinition, wie sie von Erikson (Entwicklung, psychosozialer Ansatz nach Erikson) diskutiert wurde, kaum aktuell.

Verwendete Literatur

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