Identität und Lernen

 

(= I. u. L.) [engl. identity and learning], [KOG, PÄD, PER], werden in Lerntheorien zunehmend als miteinander verwoben thematisiert. Basierend auf den Grundannahmen, dass menschliches Lernen kontextuell geprägt und seine rahmenden Wissensbezüge soz. konstruiert sind (Sozialkonstruktivismus), wird hier verhandelt, wodurch das L. eines Menschen mit seiner Identität zus.hängt. Erste Anhaltspunkte dafür liefern die voneinander abgrenzbaren lerntheoret. Zugänge nach Lebensstufe (z. B. Erwachsenenbildung) sowie die zunehmende Beachtung der Relevanz der Lernbiographie.

Im L. greifen Menschen auf Wissensgrundlagen zurück, die sie im Laufe ihrer (Lern)Biografie zu einem Inhalt ebenso wie zu einem Lernkontext erworben haben. Das hier entstehende einzigartige Reservoir an Erfahrungen ist charakteristisch für die Verbindung von I. u. L. und der Individualität von Lernprozessen allg. L. findet nicht unabh. von einem sozialen Kontext statt und so lernt eine Person bei der Verarbeitung einer Information stets auch etwas über den Modus des L. sowie die damit einhergehenden Erwartungen an ein best. Lernverhalten (insbes. in formalen Lernkontexten). Um in einem Lernkontext wirkungsmächtig handeln zu können, muss eine Person zunächst in diesen hinein sozialisiert worden sein. Im Kontext Hochschule wird hierbei von akademischer Sozialisation gesprochen. Im Zuge des Studierens vollzieht sich der Prozess des Student-Werdens. Neue Konzepte zum Verstehen der Welt (und sich darin) werden erschlossen und fordern dabei mitunter bestehende Wissenskonstrukte sowie die eigene Verortung als Person heraus (Schwellenkonzepte). 

Anhand der Verbindung von I. u. L. lassen sich Lernprozesse auf einer Ebene jenseits sozialer Kategorien wie z. B. Alter und Geschlecht nachzeichnen. In der Interaktion mit der Umwelt können Menschen kontinuierlich Impulse erfahren, um ihr Wissen über die Welt (Wissenserwerb) und ihre Verortung darin zu bedenken. Was für die eine Person aufgrund ihrer bestehenden Wissensstrukturen nachvollziehbar oder bekannt ist, erscheint der anderen widersprüchlich und herausfordernd; was für erstere eine Bestätigung der Parameter ihrer Identität ist, kann für letztere eine Begegnung mit dem anderen evozieren. Eine solche Begegnung mit dem wahrgenommenen anderen (Alterität) kann durch die hiermit verbundene Reflexion gleichsam in Lernprozesse wie auch in Prozesse der Identitätskonstruktion münden. Verändert sich das Wissen über das Eine, verändert sich auch die Basis des anderen. Vor dem Hintergrund der Verwobenheit von I. u. L. ergeben sich folglich subjektbezogene Perspektiven, um die Individualität von Lernprozessen zu beleuchten. Lernen, lebenslanges.