Identitätsentwicklung

 

(= I.) [engl. identity development], [EW, PER], Identität wird laut Erikson (1968) durch Interaktion mit anderen und im Kontext der eigenen Kultur gebildet. Sie umfasst u. a. versch. Bereiche der Selbstwahrnehmung wie bspw. Geschlecht, Gruppenzugehörigkeiten, persönliche Eigenschaften (Persönlichkeitsmerkmal) oder eigenen Kompetenzen, wird während der gesamten Entwicklung gebildet und ist somit als ein Prozess zu verstehen, der lebenslang dauert (Lebensspannenpsychologie). Die Identitätsfindung war laut Erikson (1968) eine zentrale Aufgabe der Adoleszenten (Adoleszenz). Trotzdem war es klar, dass sie in dieser Entwicklungsperiode nicht alleinig befestigt ist. Erikson selber meinte, dass Jugendliche experimentieren, explorieren und versch. Erw.rollen und Werte auf ihre Bewertung für sich selbst testen müssen, um identitätsrelevante Verpflichtungen einzugehen. Viele Autoren teilen Eriksons Auffassung in groben Zügen. Grotevant (1987) schlug bspw. vor, die Identitätsbildung als eine lebenslange Aufgabe zu betrachten, die ihre Wurzeln in der frühen Kindheit hat. Er sagt aber auch, dass sich dieses Gefühl der I. in der Adoleszenz verändert, wenn neue kogn. Fähigkeiten und andere typische entwicklungsbedingte Veränderungen eintreten. Als Vorläuferformen der «klassischen» I. in der Adoleszenz können versch. (verwandte) Entwicklungsprozesse der frühen und mittleren Kindheit genannt werden. Hierunter können u. a. die Entwicklung des (Fähigkeits-)Selbstkonzepts, die Entwicklung der Geschlechtsidentität, die Entwicklung des sozialen Wissens und des sozialen Verstehens (Entwicklung, soziale, u. a. der Theory of Mind, deklarativ-metakognitives Wissen, Vorläufer), die Entwicklung von Freundschaften oder auch das Ausbilden individueller Interessen gefasst werden. Im mittleren und späten Erwachsenenalter treten wiederum andere identitätsbezogene Aspekte in den Mittelpunkt wie bspw. die berufliche (Weiter-)Entwicklung, Familiengründung und Annahme der Elternrolle, der Umgang mit dem Ausscheiden aus dem Beruf (Ruhestand, Anpassung an) oder dem Auszug erwachsener Kinder aus dem Elterhaus. Zusammenfassend kann man sagen, dass die I. i. S. eines Gefühls der Einmaligkeit und der Kontinuität nicht erst in der Adoleszenz entsteht, dass aber die bewusste Auseinandersetzung mit der Selbstdefinition in der heutigen westlichen Kultur in dieser Lebensphase eintritt und einen bes. Platz bekommt (Alsaker & Kroger, 2007). Der Prozess der Identitätsfindung impliziert einerseits, dass sich der heranwachsende Mensch mit seinen früheren Selbstdefinitionen auseinandersetzt, um herauszufinden, welche Werte und Inhalte er als eigene behalten möchte. Andererseits spielt auch die Abgrenzung von dem, was der Jugendliche nicht sein will, eine wichtige Rolle; dieser Teil des Prozesses wurde als neg. I. bezeichnet (Erikson, 1968). Intentionale Selbstentwicklung.

Verwendete Literatur

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