Imaginatives Überschreiben

 

(= I. Ü.) [engl. imagery rescripting; lat. imaginari sich vorstellen], [KLI], mentale Bilder wie belastende Erinnerungen, Flashbacks, Albträume oder angstbesetzte Zukunftsphantasien stellen bei vielen psych. Störungen ein Korrelat des problematischen emot. Erlebens dar. Das I. Ü. ist eine Technik, die sich der Modalität mentaler Bilder bedient, um mentale Bilder und die damit verbundenen belastenden Emotionen zu behandeln. Ähnliche Techniken wurden in versch. Therapieschulen, insbes. manchen Strömungen der Psychoanalyse und der humanistischen Therapien entwickelt. Die beste Evidenz liegt zum Vorgehen sensu Hackmann et al. (2012) vor. Bei der Durchführung wird der Pat. gebeten, sich ausgehend von einem aktuell belastenden Gefühl in seiner Vorstellung in eine biografische Situation (häufig Situationen aus der Kindheit, aber auch die Verwendung anderer Situationen ist möglich) zu begeben. In der Folge werden die Bedürfnisse des Pat. in der i. Situation erfragt und erfüllt. Auf diesem Weg können die affektive Verbindung zw. biografischen Erfahrungen und aktuellen Gefühlen verdeutlicht und zugrunde liegende Grundüberzeugungen verändert werden. Das Ziel dieser Technik ist es nicht nur, zugrunde liegende Erinnerungen und innere Bilder zu aktivieren und die Emotionen zu prozessieren, sondern diese durch das Hinzufügen korrektiver Informationen auch zu verändern. Das Vorgehen beim I. Ü. lässt sich in mehrere Schritte unterteilen. In Schritt 1 wird eine sog. Affektbrücke zw. einer aktuell belastenden Situation und einer in der Vergangenheit traumatisch erlebten Situation hergestellt. Der Pat. soll die biografische Situation aus der Perspektive des damaligen Ichs/Kindes erleben, um die damit assoziierten Gefühle und Bedürfnisse zu aktivieren. In Schritt 2 betritt entweder der erwachsene Pat. oder eine Hilfsperson die Szene und verändert sie. Die Intervention wird geleitet von den Gefühlen und Bedürfnissen des Kindes in dieser Situation. Typischerweise äußern Pat. dabei den Wunsch, die von dem Täter ausgehende Bedrohung, Vernachlässigung o. Ä. zu reduzieren und ein Gefühl von Sicherheit oder Geborgenheit zu erfahren. Wirksamkeit: Es konnte gezeigt werden, dass bei Pat. mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) I. Ü. einer bloßen i. Exposition der traumatischen Situation für die Arbeit an Emotionen wie Scham, Schuld, Feindseligkeit und Ärgerkontrolle überlegen war. Da in der Schematherapie viel mit I. Ü. gearbeitet wird, kann auch die gute Wirksamkeit dieses Ansatzes für die meisten Persönlichkeitsstörungen als Hinweis auf die Wirksamkeit von I. Ü. bei diesen Pat. verstanden werden. Zusätzlich weisen Pilotstudien auf eine gute Anwendbarkeit und Wirksamkeit von I. Ü.bei versch. Achse-I-Störungen einschließlich Depressionen, sozialer Phobie und anderen Angststörungen sowie Essstörungen hin (Arntz, 2012). Allerdings stehen hier größere Studien noch aus, insbes. RCTs zu I. Ü. als Stand-alone-Treatment gegen aktive Kontrollbehandlungen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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