Inhaltsanalyse

 

(= I.) [engl. content analysis], syn. Contentanalyse, Textanalyse, gelegentlich auch Bedeutungsanalyse, Aussagenanalyse, [FSE, KOG], Sammelbez. für eine Reihe von Techniken zur systematischen Nutzung freier Sprachproduktion (Texte) als Beobachtungsbasis unter Beachtung allg. Grundsätze der analytisch-empir. Forschungsmethodologie. Im typ. Fall werden unter dem Gesichtspunkt der jew. Fragestellung (1) zwei oder mehr Vergleichsstichproben von Texten ausgewählt, (2) Textteile als Einheiten der Analyse festgelegt, (3) semantische (Semantik) oder – seltener – grammatische (Grammatik) Merkmalskategorien definiert, (4) das Vorkommen der definierten Merkmale pro Textteil codiert (Code), (5) die Gesamthäufigkeiten gleicher Codierfälle pro Text ermittelt und (6) daraus quant. Indizes, im einfachsten Falle Häufigkeitsprozente, errechnet (Sprachstatistik). Aus dem Vergleich der Indizes versch. Texte bzw. Textstichproben werden (7) unter dem Gesichtspunkt der Forschungsfrage Schlüsse gezogen. Verwertbar sind geschriebene oder schriftlich protokollierte mündliche Texte, die entweder frei (ohne Kenntnis eines späteren Auswertungszwecks) oder unter Testbedingungen produziert wurden und eine jew. notwendige Mindestlänge haben. Semantische Merkmalskategorien könnten Lexeme (Wörter und Wortfügungen) oder Aussagen sein (semantisch interpretierte Textstücke mehr oder weniger großen Umfangs). Auch können grammatische Merkmale wie Wortart (Adjektiv, Verb) oder Aktionsart (Aktiv, Passiv) für eine I. relevant werden. Unerlässlich ist ein Mindestmaß an Objektivität der Merkmalcodierungen, worüber quant. Informationen zur Intercodierer-Reliabilität (Beurteilerübereinstimmung) Aufschluss geben. Schwierigkeiten der I. ergeben sich mit der Kontextabhängigkeit der aus dem Text herauszulösenden sprachlichen Einheiten (Kontext) und mit der Unüberschaubarkeit der die Textproduktion jew. mit bedingenden unabhängigen Faktoren, v. a. bei nicht unter Testbedingungen geschriebenen Texten. Den Auswertungsaufwand kann der Computer erheblich reduzieren (s. Programmfamilie General Inquirer von Stone, Dunphy, Smith et al.). Die I. wird meth. fruchtbar u. a. in der Motivations- (Motivation) und Persönlichkeitsps., in der Sozialps. (sprachliche Interaktionsforschung), in der Psychotherapie (Arzt- bzw. Therapeut-Patient-Interaktion ), in der Politikwiss. (z. B. Genese internat. Konflikte), Publizistik (Medienforschung) und Literaturwiss. (Stilforschung und Autorschaftsbestimmung). Die I. ist der sprachwiss. orientierten und meist nur bestandsaufnehmenden Sprachstatistik benachbart.

Referenzen und vertiefende Literatur

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