intellektuelle Fähigkeiten, Dedifferenzierung

 

[engl. intellectual ability/aptitude/capability, dedifferentiation], [EW, KOG, PER], die Differenzierung-Dedifferenzierung der Intelligenz über die Lebensspanne beschreibt entwicklungsbedingte Veränderungen in der Stärke des Zusammenhangs zw. versch. intellektuellen Leistungen. So nimmt die Stärke des Zusammenhangs intellektueller Leistungen während der Kindheit ab und im höheren Erwachsenenalter wieder zu (Entwicklungstheorien, kompetenzorientierte; spätes Erwachsenenalter). Der Grundgedanke zur Erklärung dieses Phänomens ist, dass die Bedeutung eines bereichsübergreifenden Generalfaktors der Intelligenz für versch. Leistungen im Verlauf der Entwicklung variiert (Intelligenzfaktoren). Während in der frühen Kindheit intellektuelle Leistungen v. a. von der Ausprägung des bereichsübergreifenden Faktors bestimmt werden (was den stärkeren Zusammenhang zw. den einzelnen Leistungen begründet), wird die Bedeutung dieses Generalfaktors mit zunehmendem Alter aufgrund der Reifung des Gehirns und des zunehmenden Erwerbs bereichsspezifischen Wissens geringer und die Bedeutung bereichsspezifischer Intelligenzfaktoren nimmt zu. Im höheren Alter (ab ca. 80 Jahren) führen biol. basierte Veränderungen im Gehirn zu vielfältigen Einschränkungen in der Informationsverarbeitung, was die Leistung übergreifend beeinträchtigt, sodass die Bedeutung eines Generalfaktors wieder ansteigt. Der Begriff der Richtungsdedifferenzierung zeigt an, dass es im hohen Alter zu einer generalisierten, linearen Abnahme sowohl von Fähigkeiten kommt, die der Mechanik der Intelligenz zuzurechnen sind als auch von solchen, die der Pragmatik der Intelligenz angehören (Kray & Lindenberger, 2007). Neben einer intrasystemischen Dedifferenzierung im Sinne eines für ältere im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen höheren Zusammenhangs zwischen intellektuellen Leistungen ist auch eine intersystemische Dedifferenzierung beobachtbar. Sensumotorische und sensorische Leistungen kovariieren bei älteren Erwachsenen stärker mit intellektuellen Leistungen als bei jüngeren (Lindenberger & Staudinger, 2012).

Referenzen und vertiefende Literatur

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