Intelligenz-Abbau

 

(= I.-A.), [engl. intellectual deterioration, intellectual decline], [EW, DIA, KOG, PER], Wechsler versteht darunter den nicht auf Mangel an Übung zurückzuführenden Abfall oder den Verlust der intellektuellen Fähigkeiten (Intelligenz). Kriterium ist dabei der Verlust des Funktionsniveaus im Hinblick auf Geschwindigkeit und Genauigkeit der Testleistung (Intelligenztests). Eine quant. Bestimmung des I.-A. versucht Wechsler durch einen Vergleich der Wertpunkte der «beständigen Tests» mit denjenigen der «nicht beständigen Tests». Beständige Tests sind solche, die vom zunehmenden Alter am wenigsten beeinträchtigt werden (allg. Wissen, allg. Verständnis, Figuren legen, Bilder ergänzen, Wortschatztest). Nicht beständige Tests sind solche, die vom zunehmenden Alter betroffen werden (Zahlennachsprechen, rechnerisches Denken, Zahlensymboltest, Mosaiktest, Gemeinsamkeiten finden). Wird die Differenz zw. beständigen und nicht beständigen Tests in Prozentwerten ausgedrückt, so handelt es sich um den Abbau-Quotienten. Der Wert kann aber auch als Differenz beider Untertest-Wertpunktesummen berechnet werden. Diese von Wechsler vorgelegten Befunde konnten bereits vor mehreren Jahrzehnten als Untersuchungs-Artefakte aus Querschnittuntersuchungen aufgedeckt werden. Aber selbst bei längsschnittlich gewonnen Daten (Längsschnittuntersuchung) aus dem Wechlser-Test sind die in einem Vergleich vom 20. bis 64. Lebensjahr – zumindest im Verbalteil – stat. nicht signifikant. Auch nachfolgende Untersuchungen (mit dem Wechsler-Test) anderer Autoren, die mit der Längsschnittmethode durchgeführt wurden, zeigen erst ab dem 70. Lebensjahr signifikante Leistungsverschlechterungen, die somit die Altersdefizitannahme der Intelligenz zurückweisen. Da bei Querschnittuntersuchungen altersbedingte Veränderungen mit Generationsunterschieden konfundiert sind, kann der Nachweis altersbedingter Veränderungen nur mit der Längsschnittmethode zuverlässig geprüft werden. In mehreren, sorgfältig geplanten Längsschnittuntersuchungen, bei denen Pb mit kardiovaskulär bedingten Defiziten ausgeschlossen wurden, und unter Verwendung von Intelligenztests mit bekannter faktorieller Struktur (z. B. primary mental ability tests;Primärfaktoren der Intelligenz) konnte K.W. Schaie die Frage nach der Veränderung der Intelligenz im Alter zuverlässig überprüfen. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen zeigten, dass erst ab dem 60. Lebensjahr in diesen Tests ein leichter (nicht signifikanter) Rückgang der Intelligenz zu verzeichnen ist. Erst ab dem 80. Lebensjahr konnte bei allen Pbn in allen kogn. Funktionen ein bedeutsamer Abbau gefunden werden. Da bekannt ist, dass bei Testaufgaben, die schnelle Reaktionen erfordern, auch schon in früheren Lebensjahren die Testleistungen leicht reduziert sind, hat Schaie in einer Trainingsstudie nachweisen können, dass Pbn mit einem Durchschnittsalter von über 70 Jahren diese Defizite wieder aufholen können.

Referenzen und vertiefende Literatur

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