Intelligenz, emotionale

 

(= e.I.) [engl. emotional intelligence], [EM, KOG, PER], wird als eine multidimensionale Fähigkeit zum Erkennen von Gefühlen, zum Umgang mit Gefühlen einschließlich ihrer Nutzung und zum angemessenen Ausdruck von Gefühlen verstanden (Emotionen, Gefühl). Das ursprünglich von Salovey und Mayer 1990 (Mayer & Salovey, 1997) eingeführte Fähigkeitskonstrukt war theoretisch nicht unproblematisch, da Erkennen und Ausdruck verbunden wurden (appraisal and expression of emotion). Für Erkennen wurde der Begriff appraisal (statt z. B. perception, understanding, recognition) verwendet, der mit Wertschätzungen und Einstellungen assoziiert ist. Erkennen von Emotionen bei einem selbst wurde in verbal und nonverbal unterschieden, was psychol. kaum möglich ist. Auch wurde zw. Empathie vs. nonverbalem Erkennen von Emotionen bei anderen (empathy vs. nonverbal perception) differenziert, die eine Einheit bilden. Die Dimensionen Nutzen oder emotionale Förderung des Denkens sind in sich heterogen und stellen eher abhängige Variablen e. I. dar. Salovey und Mayer und andere Autoren haben deshalb versucht, das Konstrukt zu revidieren. Petrides unterscheidet zwischen einer Trait-e. I. (eher persönlichkeitsorientierte Messung über Fragebogen) und einer Ability-e. I. (eher fähigkeitsorientierte Messung über Leistungstests). Andere Autoren empfehlen den Begriffemotionale Kompetenz (= e.K.), da e.I./e.K. nicht zu den kogn. Fähigkeiten (Abstraktion, Denken, Problemlösen) i. e. S. gehöre. Zudem betone K. eher als ein Intelligenz- oder Persönlichkeitsbegriff die Möglichkeit der Veränderung.

E. I. und e.K. werden über Fragebogen in der Selbst- und Fremdeinschätzung, über Leistungstests und in «Mixed»-Verfahren erhoben (z. B. Bar-On, 1997; Aufforderung in einem Leistungstest, das typische Verhalten zu zeigen; Freudenthaler & Neugebauer, 2005). Fragebogenergebnisse zeigen höhere Validität (auch über Persönlichkeitsskalen hinausgehend), allerdings korrelieren sie hoch mit der Eysenck’schen Persönlichkeitsdimension Neurotizismus (die als Effekt geringer e.I./e.K. verstanden werden kann) und unterliegen der Gefahr der Verfälschbarkeit. Leistungstests wie der MSCEIT passen theoretisch besser zu einem Fähigkeitskonstrukt, sind aber wenig aussagekräftig für lebensweltliche Kriterien. Trait Emotional Intelligence Questionnaire (TEIQue).

Referenzen und vertiefende Literatur

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