Intelligenztests

 

(= I.) [engl. intelligence tests], [DIA, KOG, PER], eine Gruppe von Tests, die auf der Grundlage unterschiedlicher Intelligenzmodelle und Intelligenztheorien (Intelligenz) die indiv. intellektuelle Leistungsfähigkeit messen und auch die intraindiv. kogn. Schwerpunkte erfassen können. Die heute verwendeten I. gehen z. T. auf Entwicklungen, die am Anfang des 20. Jhd. begonnen haben, zurück. Sie sind aber überwiegend an Ergebnissen der neueren psychol. Forschung der kogn. Strukturen orientiert bzw. adaptiert worden. Während Sir Francis Galton zusätzlich zu seinen anthropometrischen und genetischen Untersuchungen auch die «geistige Vorstellungskraft» analysierte, sich dabei an den Untersuchungen über «geniale Personen» orientierte, hat James McKeen Cattell «geistige Prozesse» zu erfassen versucht. Parallel zur Entwicklung der stat. Verfahren der Korrelation und der Faktorenanalyse wurden erste Strukturmodelle der kogn. Funktionen geschaffen. In Dt. gingen die Bemühungen der Analyse intellektueller Leistungen zunächst von Psychiatern aus. Der Schwerpunkt lag dabei in der qual. Analyse von psychopathologisch bedingten Intelligenzstörungen (z. B. Intelligenzminderung). Die Ergebnisse der denkpsychol. Analysen (Denken) haben die Intelligenzforschung nachhaltiger beeinflusst. Mit Binet begann in Frankreich eine Phase der systematischen, an schulischen Leistungen orientierten Testentwicklung (Testkonstruktion). Gegen das von Binet entwickelte Verfahren wurde eine Reihe von praktischen und theoretischen Einwänden geäußert, die jedoch nicht zur Ablösung, sondern zur Weiterentwicklung dieser Stufentests führten. Die bekanntesten sind die Stanford-Revisionen. Stern hat bereits 1912 darauf aufmerksam gemacht, dass es in den Phasen der frühen kognitiven Entwicklung wichtig ist, die intellektuellen Leistungen auf das Lebensalter zu beziehen und damit den Intelligenzquotient eingeführt. Um die Ökonomie der Intelligenzmessverfahren zu steigern, wurden Gruppenverfahren konstruiert. Die bekannteste Version solcher Gruppenverfahren ist die «Group Examination Alpha» (Yerkes) und die «Group Examination Beta» (Army Alpha Test, Army Beta Test, Army General Classification Test). Diese Verfahren wurden für Massenauslesen in der amerik. Armee eingesetzt. Neue Anregungen für die Konstruktion von I. kamen von der faktoriell orientierten Intelligenzforschung (Intelligenzfaktoren). Mit der multiplen Faktorentheorie entwickelte Thurstone die Primary Mental Ability Tests. Diese Testkonstruktion wurde auch in eine dt.sprachige Version überführt (Leistungsprüfsystem (L-P-S)). Unter der Konzeption des g-Faktors hat R. B. Cattell versch. Skalen zur allg. Intelligenz und hier spez. zur fluiden (nicht verfestigten) Komponente entwickelt. Ein mehr auf eine globale Intelligenz hin orientierte Testentwicklung stellen die Verfahren von Wechsler (Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene – Revision 1991 (HAWIE-R)) dar. Mit der Aufteilung nach Verbal- und Handlungsteil hat die Wechslerkonzeption eine Ähnlichkeit mit der Zwei-Faktoren-Theorie. Da der Anteil der sprachgebundenen Tests bei I. relativ hoch ist, wurden sprachfreie I. konstruiert (z. B. Standard Progressive Matrices (SPM)), um eine Konfundierung mit bes. Sprachbegabung zu umgehen.

Trotz der als sehr gut zu bezeichnenden prognostischen Validität von I. für sehr viele Außenkriterien (z. B. Schulerfolg, Ausbildungserfolg), – und dies auch im Vergleich zu diagn. Methoden anderer Fachdisziplinen –, hat die psychol.-diagn. Forschung die Herausforderung der weiteren Verbesserung aufgenommen und in versch. Richtungen weiterentwickelt. Da bei I. i. d. R. reproduktive Leistungen gefordert werden und sog. konvergentes Denken dabei eine Rolle spielt, wurden Tests zum divergenten Denken entwickelt (Kreativitätstests). Auch die Erweiterung des konventionellen Intelligenzkonzepts um z. B. die emotionale Intelligenz oder die operative Intelligenz hat bislang zu keinen substanziellen Erhöhungen der Prognoseleistung von I. geführt.

Für den nationalen und internat. Bereich kann festgestellt werden, dass I. einen sehr hohen Qualitätsstandard haben und im Vergleich zu anderen Verfahren der Einschätzung intellektueller Eigenschaften mit I. die gültigsten Diagnosen und auch die sichersten Prognosen gestellt werden können. Intelligenzdiagnostik.

Verwendete Literatur

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