Intentionale Selbstentwicklung

 

(= ISE) [engl. Intentional self-development], [EW, KOG, PER], ISE ist eine entwicklungstheoret. Position, die auf der Annahme basiert, dass Menschen über Repräsentationen ihrer selbst und der Umwelt aktiv zur Gestaltung ihrer Entwicklung beitragen können (Entwicklung, handlungstheoretische Ansätze, Entwicklung, Stufentheorie nach Piaget). ISE [lat. intentio Gespanntsein, Vorhaben, Aufmerksamkeit; Intention] bezieht sich auf die Frage, inwieweit Ziele, Lebensentwürfe oder Zukunftsorientierungen Einfluss auf den weiteren Entwicklungsverlauf ausüben. Franz v. Brentano vertrat die Auffassung, dass Intentionalität ein zentrales Merkmal des Mentalen sei und fasste die Bewusstseinsinhalte als intentional strukturiert auf (vgl. die Relation des Bezogenseins auf einen Inhalt, die Richtung auf ein Objekt; Aktpsychologie). Jochen Brandtstädter (2001) hat den Begriff der ISD expliziert und in seinem Ansatz vertreten. Personen (Selbst) sind Gegenstand und Gestalter ihrer Entwicklung, d. h., sie formen sie durch Handeln (Handlung) und Wollen – im günstigen Fall können sie auch – mit dem Resultat ihrer Bemühungen zufrieden sein (Identität). Ähnlich wie im Konzept der Selbstregulation wird aus der Perspektive einer ISE angenommen, dass die Realisierung von Absichten bewusste Prozesse wie Handlungsplanungen oder Abschirmungsbemühungen gegen konkurrierende Wünsche umfasst. Diese mögen zunächst opportun oder richtig erscheinen, kurz- oder längerfristige Folgen des Handelns können allerdings einer kritischen Bewertung unterzogen und ursprüngliche Ziele relativiert werden. Altersbezogene Veränderungen (Entwicklungsprobleme, Entwicklungsaufgaben) und nicht vorhersehbare, ungewollte Ereignisse können nicht immer beseitigt werden und führen zu Anpassungen des Selbst (der eigenen Ansprüche, Präferenzen, Gefühle, Einstellungen, Werte), die nicht absichtlich entschieden werden, sondern als automatische Reaktionen in die weitere Entwicklung einfließen. ISE beleuchtet Entwicklung unter bes. Berücksichtigung von Intentionen und den damit verbundenen Anpassungsprozessen. Da im Willen (Volition) des Menschen nicht bereits die Fähigkeit einer erfolgreichen Bewältigung der Anforderungen enthalten ist, ergeben sich Bezüge zu Coping sowie allg.psychol. Prozessen (Denken, Problemlösen, Einsicht). Identitätsentwicklung, Selbstkonzept, Entwicklung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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