interdependente, elterliche Strategie

 

[engl. interdependent parental strategy; lat. inter zwischen, dependere voneinander abhängen], [EW, PÄD, SOZ], bez. eine elterliche Strategie, die an dem kult. Modell der relationalen Verbundenheit orientiert ist. Das Baby wird in ein soziales System geboren, das es zunächst verstehen lernen muss, um möglichst bald seinen Platz darin einzunehmen und auszufüllen. Seine Rolle ist dabei die eines Lehrlings, der von erfahrenen Mitgliedern des sozialen Systems kult. Lektionen erteilt bekommt. Die Rolle des Babys ist in diesem System naturgemäß eher passiv und die Erzieher kontrollieren das System. Erzieher steht für eine multiple Betreuungsgemeinschaft, die aus mehreren Personen von Geburt an besteht, wobei die Mutter eine besondere Rolle innehaben kann oder auch nur eine unter anderen. Babys erfahren viel Körperkontakt und körperliche Regulationen, was die Verbundenheit unterstreicht. Durch antizipatorische körperliche Regulationen, wie z. B. Stillen bei dem leisesten Anzeichen motorischer Unruhe, werden die Grenzen zw. dem Baby und anderen zunächst verwischt, wodurch die soziale Identität und die Verbundenheit mit dem sozialen System, i. d. R. die Großfamilie, gestärkt wird. Kinder lernen also von Anfang an, soziale Verpflichtungen und Rollenerwartungen zu erfüllen. Diese stellen primäre Motivations- und Verstärkungssysteme dar. Babys sind nie alleine, aber auch nie das Zentrum – zumindest der distalen – Aufmerksamkeit. Mit vielfältigen Systemen motorischer Stimulation, sowohl durch interaktive Techniken als auch sonstige Trainingseinheiten zur Akzeleration grobmotorischer Fertigkeiten, lernen Babys früh physische Unabhängigkeit und haben damit die Möglichkeit ihre Aufgaben in der Familie zu erfüllen, wie Feuerholz sammeln, Wasser holen, auf jüngere Geschwister aufpassen u. a. m. Natürlich spielt auch die verbale Kommunikation eine Rolle, die jedoch anders als im independenten Modus (independente, elterliche Strategie) konfiguriert ist, nämlich eher synchron als dyadisch – das Baby soll primär lernen, Teil einer Gemeinschaft zu sein, und sich weniger als einzelnes Wesen wahrnehmen. Durch die Synchronisation verbal/vokaler mit motorisch/rhythmischen Elementen wird die Gemeinschaft weiter gestärkt. Die verbalen Botschaften beziehen sich in erster Linie auf Verhalten (nicht auf mentale Zustände) und auf das Hier und Jetzt (und nicht auf Vergangenheit und Zukunft). Der Kommunikationsstil ist direkt und fokussiert eher auf Aufforderungen und moralische Botschaften, als dass er kindzentriert-fragend wäre. Emotionaler Ausdruck ist kult. nicht erwünscht. Der Begriff der Interdependenz, der diese Strategie zus.fasst, entstammt der Konzeption eines interdependenten Selbsts, wie es von Markus & Kitayama (1991) als kult. Selbstdefinition der nicht euroamerik. Lebensweise formuliert wurde. Diese Sichtweise ist hier aber weiter eingegrenzt auf ökosoziale Kontexte mit einem niedrigen Grad formaler Bildungserfahrungen– mit den entspr. Konsequenzen für die Familienbildung (späte Erstschwangerschaft, wenig Kinder, Kernfamilie) und damit für die kult. Modelle. Auf Cigdem Kağitcibaşi (2007) gehen Modelle zurück, die Kombinationen dieser Modelle für die nicht westliche, hoch formal gebildete Familie konzeptionalisieren.

Verwendete Literatur

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