internes (inneres) Modell

 

(= i. M.) [engl. internal model], [KOG], Repräsentation eines Sachverhalts durch ein lebendes oder künstliches kogn. System in Form eines internen Objekts, das in einer best. Struktur- oder Funktionsanalogie zum repräsentierten Sachverhalt steht und dem kogn. System als Mittel zur Orientierung über diesen Sachverhalt dient. Der hier verwendete Modellbegriff lehnt sich an den der Kybernetik an, wo man unter einem Modell ein System versteht, das hinsichtlich seiner Struktur und/oder seines Verhaltens dem modellierten Sachverhalt analog ist. Beim kogn. System des Menschen bezeichnet man solche (hypothetischen) internen Modelle im Allg. als mentaleModelle. Diese können sowohl aufgrund von Wahrnehmungen als auch aufgrund des Verstehens von Sprachäußerungen (Sprachrezeption) konstruiert werden (Van Dijk & Kintsch, 1983). Man sieht in solchen Modellen temporäre analoge Repräsentationen, die in Abhängigkeit von den bisherigen Erfahrungen des Individuums auf der Grundlage kogn. Schemata konstruiert werden und deshalb jew. typ. Sachverhalte repräsentieren (Prototyp). I. M., die dem Individuum zur Planung (Planen) von Handlungsabläufen durch inneres Probehandeln dienen, werden auch als operative Abbildsysteme (Hacker, 2005) bezeichnet. I. M. müssen keineswegs interne Bilder des repräsentierten Sachverhalts sein. Vielmehr können – ähnlich wie bei einem Analogrechner, wo z. B. eine best. elektrische Schaltung als Modell für einen qual. ganz anderen Erkenntnisgegenstand dient – repräsentierende und repräsentierte Merkmale durchaus voneinander versch. sein. Das Konzept des mentalen Modells ist insofern weiter gefasst als das der Vorstellung oder das der kogn. Landkarte (cognitive map, kognitive Karte, Tolman, 1926), das seinerzeit einer rein behavioristischen Sichtweise (Behaviorismus) der räumlichen Orientierung entgegengesetzt wurde.

Eine analoge Repräsentation in Form eines i. M. unterscheidet sich grundlegend von einer symbolischen Repräsentation (Symbol) in Form von internen Propositionen. Während eine propositionale Repräsentation aus Prädikat-Argument-Strukturen besteht, durch die der dargestellte Sachverhalt beschrieben wird, besitzen i. M. – ähnlich wie beim Bsp. eines Analogrechners – inhärente Struktur- oder Funktionseigenschaften, die mit denen des dargestellten Sachverhalts übereinstimmen. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Prinzipien, durch die jew. neue Informationen gewonnen werden. Während anhand einer propositionalen Repräsentation durch Anwendung von Symbolverarbeitungsregeln aus vorhandenen Propositionen neue Propositionen generiert werden, gewinnt man anhand eines i. M. neue Informationen, indem man das Modell entspr. best. Angaben manipuliert und dann die gesuchten Modellmerkmale abliest. Zwar sind hier regelgeleitete Konstruktions- und Ableseprozesse erforderlich, doch handelt es sich dabei nicht um Inferenzregeln i. S. eines logischen Schließens. Das Konstrukt der i. M. bietet somit die Möglichkeit, Phänomene des Verstehens und Denkens bzw. Problemlösens aus einer einheitlichen theoret. Perspektive zu betrachten.

Referenzen und vertiefende Literatur

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