Interpersonale Psychotherapie

 

(= IPT) [engl. interpersonal psychotherapy], [KLI], der Ansatz in der Psychotherapie und Psychiatrie geht auf Sullivan (1953) zurück. Im Ggs. zu biol. oder intrapsychisch orientierten Ansätzen wird die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen hervorgehoben. Konzepte wie die Komplementarität der Interaktionsstile von Menschen spielen konsequenterweise eine wichtige Rolle. Versch. spezielle Messmittel zur Erfassung von Interaktionsstilen und daraus entstehenden Problemen wurden entwickelt. Der Interpersonale Ansatz erlebt derzeit erneut besondere Beachtung, wobei Verbindungen insbes. zur kogn. Verhaltenstherapie und zur Psychoanalyse bestehen. I. e. S. wird als IPT ein Ansatz nach Klermann et al. (1984) bez., der zur Behandlung von Depressionen entwickelt wurde, aber für versch. weitere Störungen (z. B. Essstörungen) weiterentwickelt wurde.

Die IPT geht von der Grundannahme aus, dass Depressionen in dem jew. interpersonalen Kontext entstehen, d. h. infolge des Verlustes einer wichtigen Bezugsperson oder infolge eines aktuellen interpersonalen Konflikts. Sie ist ausdrücklich nicht einsichts-, sondern bewältigungsorientiert, d. h., die konkrete interpersonale Gegenwart, nicht intrapsychische Phänomene und Abwehrmechanismen stehen im Vordergrund. Sie zielt u. a. auf den Aufbau verbesserten Kommunikationsverhaltens, die Entwicklung neuer Problemlösestrategien, einen besseren Umgang mit zwischenmenschlichen Stresssituationen, auf die Überwindung veralteter Beziehungsmuster etc. Die Behandlung ist zeitlich limitiert und klar strukturiert. Elemente sind Diagnostik und Abklärung, Information des Pat. über Epidemiologie, Symptomatik, klin. Verlauf und Prognose von Depressionen, klare Formulierung von Therapiezielen und Prozedur, Bearbeitung von Verlusten, aktuellen zw.menschlichen Konflikten, Übergängen zw. sozialen Rollen und konkreter interpersonaler Defizite. Für versch. Problembereiche liegen Behandlungsmanuale (Einzeln-, Paar- und Familientherapie) vor.

Hinsichtlich der Behandlung von Depressionen und Essstörungen kann die IPT als ein sehr wirksames Therapieverfahren angesehen werden. Untersuchungen zur Paartherapie sprechen für eine Kombination von bewältigungs- und klärungsorientiertem Vorgehen. Ihre Wirksamkeit als Familientherapie kann aufgrund der mangelhaften Befundlage noch nicht als gesichert gelten.

Verwendete Literatur

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