Intimitätsmotiv

 

(= I.) [engl. intimacy motive; lat. intimus der Vertrauteste], [EM, SOZ], umfasst sowohl das Bestreben als auch die Fähigkeit, mit anderen Menschen enge Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Im Ggs. zu Hoffnung auf Anschluss und Furcht vor Zurückweisung, die im Kontakt mit Fremden aktiviert werden, wird das I. erst beim Umgang mit gut bekannten Personen angeregt. Der angestrebte Zielzustand des Motivs kann als das Erleben einer wechselseitig vertrauten und «warmen» Zweisamkeit beschrieben werden. In die Konzeption des I. gingen sowohl theologisch-phil. als auch psychiatrische und psychol. Überlegungen und Erkenntnisse ein, wobei die Gegenseitigkeit und der Austausch zw. nahestehenden Personen die zentrale Rolle spielen. Allein die Begegnung mit einer vertrauten Person wird als sich selbst genügender Wert erlebt. Dabei entstehen Emotionen der geteilten Freude und empfundener Harmonie. Die beobachtbare Kommunikation stellt sich als ausgewogen dar und ist durch Offenheit und Aufnahmebereitschaft zu kennzeichnen, ohne dass einseitige Überlegenheit oder manipulative Kontrolle auftreten. Begleitet wird dies von Gedanken, die von Interesse bis hin zur Sorge um das Wohlergehen des Anderen beschreibbar sind. Im Verhalten lassen sich einige Gemeinsamkeiten zw. Personen mit hohem I. und solchen mit hoher Hoffnung auf Anschluss beobachten, allerdings gibt es einen zentralen Unterschied: Hoch Intimitätsmotivierte vertrauen in hohem Maße ihren bekannten Sozialpartnern und liefern sich ihnen damit aus. So lassen sich auch enge Zusammenhänge zw. dem angeregten I. und der Ausschüttung des Neurotransmitters Oxytocin, das als «Hormon der Mutterliebe» und des Vertrauens gilt, finden.

Verwendete Literatur

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