Inzestwunsch

 

(= I.) [engl. desire for incest], [KLI], der Wunsch nach Begehung des Inzestes. Dieser Wunsch, der schon bei den ältesten Völkerstämmen durch Inzestverbote verdrängt wird, entsteht nach der Psychoanalyse bei jedem Menschen im Laufe seiner frühkindlichen Entwicklung. Der I. richtet sich dabei auf den gegengeschlechtlichen Elternteil, da dieser im Allg. den ersten gegengeschlechtlichen Partner überhaupt darstellt. Zugleich mit dieser Liebe entsteht aber ein Hass und Todeswunsch gegenüber dem gleichgeschlechtlichen Elternteil, was in der Ödipus- bzw. Elektra-Situation (Ödipuskomplex, Elektrakomplex) seinen allg.gültigen Ausdruck findet. Mit dem Inzestverbot wird damit auf das Engste das Verbot des Vater- bzw. Muttermordes gekoppelt. In heutigen psychoanalytischen Diskussionen steht der Einfluss realer Missbrauchserfahrungen anstatt eines triebhaften konzipierten I. im Vordergrund.

Verwendete Literatur

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