James, William

 

(1842–1910),  [HIS, EM, PHI], James war die führende Persönlichkeit in der frühen US-amerik. Ps., er war Theoretiker des Pragmatismus, Begründer des ersten psychol. Laboratoriums in den USA und prägender Lehrbuchautor. James wurde in New York als Sohn eines wohlhabenden Vaters geb.; sein Bruder war der spätere Schriftsteller Henry James (1843–1916). William James besuchte Schulen in Europa und in den USA, nahm Malunterricht und studierte ab 1861 Chemie. 1863 wechselte er zum Med.studium, das er nach einer Amazonasexpedition 1867–1868 in Dt. fortsetzte. Hier in Dt. wurde das Interesse von James für die Ps. geweckt. 1869 promovierte James zum Dr. der Med. an der Harvard University, wo er 1872 als Dozent begann. 1875 hielt er die erste Vorlesung zur exp. Ps. in den USA überhaupt und gründete im gleichen Jahr das erste psychol. Laboratorium in den USA. 1885 wechselte James als Dozent von der Med. zur Philosophie, später zur Ps. und zum Schluss wieder zur Philosophie. Durch seine naturwiss. Vorbildung suchte James nach gesicherten Grundlagen der Ps. So wollte er in seiner Theorie eine Verbindung von Bewusstseins- und Gehirnzuständen ermitteln. Lernen war daher z. B. für ihn eine physiol. fundierte Nervenbahnung. Diese Auffassung hielt sich Jahrzehnte und wurde schließlich widerlegt. James strebte also eine naturwiss. Ps. an, er war jedoch der Meinung, dass die Ps. seiner Zeit diesen Zustand keineswegs erreicht habe. So nutzte er gleichzeitig Phänomenologie und Introspektion, was Gordon Allport veranlasste, vom «produktiven Paradox des William James» zu sprechen. In der Motivationsps. wird der Name von James im Zusammenhang mit der James-Lange-Theorie der Emotionen genannt (Emotionstheorien). Das Hauptwerk von James, Principles of Psychology (2 Bände 1890), war viele Jahrzehnte in den USA Maßstab für die akademische Lehre, obwohl diese Darstellung nicht systematisch, aber anschaulich war. Eine stark gekürzte Fassung, Psychology: Briefer Course erschien zwei Jahre später. In seinen Principles gab James einen Überblick über die Ps. des 19. Jhd. mit fairen Bewertungen auch der dt. Ps. James vertrat selbst einen Funktionalismus i. Ggs. zu WundtsStrukturalismus. Von den Anregungen, die James der Ps. gegeben hat, hat sich seine Vorstellung von einem Bewusstseinsstrom erhalten. Das Bewusstsein ist nach James (1) persönlich, (2) verändert es sich ständig, (3) wird es als in ständiger Veränderung erlebt, dabei aber als Abfolge. (4) befasst sich das Bewusstsein dauernd mit anderen Dingen als dem Ich, (5) schließlich ist es selektiv, d. h. es befasst sich zu einem Zeitpunkt mit einem Aspekt eines Gegenstandes mehr als mit anderen. James verfolgte weitere Interessen, so forschte er über religiöse Erfahrungen, wie Bekehrungserlebnisse. Der Einfluss von James auf die Institutionalisierung der Ps. in den USA war erheblich. James war 1894 und 1904 Präsident der 1892 gegründeten American Psychological Association (APA). James holte 1892 Münsterberg an die Harvard University. Zu den Schülern von James gehörten James R. Angell, Edward L. ThorndikeRobert S. Woodworth und Robert M. Yerkes.

Referenzen und vertiefende Literatur

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