Kausalität

 

(= K.) [engl. causality; lat. causa Ursache, Grund]. [FSE, PHI], Kausalaussagen (-hypothesen, -gesetze) betreffen Zus.hänge zw. Ursachen und Wirkungen und dienen damit der wiss. Erklärung (Erklären) von Sachverhalten. Nach strengen, materiellen Vorstellungen von K. aus der klassischen Physik ist Ereignis u nur dann Ursache von v, wenn u das Ereignis v tatsächlich hervorbringt, d. h., wenn v zwangsläufig auf u folgen muss. Dies ist dann der Fall, wenn hinreichend Energie von u auf v übertragen wird. Wie bereits David Hume betonte, sind kausale Beziehungen nicht direkt beobachtbar, sondern eine Konstruktion. Wenn wir Ereignisabfolgen kausal interpretieren, subsumieren wir sie unter hypothetische Gesetze oder Theorien. Dies ist sowohl bei materiellen als auch bei nicht materiellen Prozessen und somit in allen Wissenschaftsbereichen möglich. Eine differenzierte Explikation (Def.) dieser nicht materiellen Vorstellung von K. besteht darin, eine Ursache als eine INUS-Bedingung für ein Ereignis zu bez., d. h. als ein «insufficient but necessary part of an unnecessary but sufficient condition». Bez. man bspw. den Heimaufenthalt als Ursache für die Straffälligkeit eines Jugendlichen, bedeutet dies: Der Heimaufenthalt ist allein nicht hinreichend (denn nicht alle Heimkinder werden straffällig), aber ein notwendiger Teil einer indiv. Bedingungskonstellation (den sog. Randbedingungen), die insges. zwar nicht notwendig für Straffälligkeit ist (denn auch Personen mit anderen Erfahrungen und Eigenschaften werden straffällig), im konkreten Fall aber offensichtlich hinreichend. Daraus folgen die sog. kontrafaktische Explikation von K. (Wenn der Jugendliche nicht im Heim gewesen wäre und wenn alle anderen Bedingungen gleich geblieben wären, dann wäre er nicht straffällig geworden.) und weiter die manipulative oder interventionistische Explikation von K. (Die Straffälligkeit hätte verhindert werden können, wenn der Jugendliche nicht ins Heim eingewiesen worden wäre und alle anderen Bedingungen gleich geblieben wären.). Nach der INUS-Explikation können für einen Sachverhalt durchaus mehrere Ursachen angegeben werden. Betrachten wir nur eine von ihnen, gehören die anderen zu den Randbedingungen. Die INUS-Explikation macht auch deutlich, dass die Annahme der Konstanz aller anderen relevanten Bedingungen ein wesentlicher Bestandteil jeder Kausalaussage ist. Diese sog. Ceteris-paribus-Bedingungen werden meist nicht explizit formuliert. Manifest werden sie bei jeder Prüfung einer Kausalhypothese im Experiment oder Quasi-Experiment, wenn versucht wird, den Einfluss aller anderen Störvariablen auszuschalten (interne Validität, Konfundierung). Die INUS-Explikation geht idealisierend von deterministischen Zus.hängen aus. Im probabilistischen Fall ist dementspr. ein Ereignis u nur dann eine Ursache von v, wenn die bedingte Wahrscheinlichkeit von v bei Vorliegen von u und den gegebenen Randbedingungen größer ist als bei nicht-u und gleich bleibenden Randbedingungen. Statt wie bei der INUS-Explikation idealisierend die vollst. Konstanz der Randbedingungen anzunehmen, kann man auch diese Ceteris-paribus-Bedingung probabilistisch abschwächen, indem man nur annimmt, dass die Ursachenvariable mit keiner anderen möglichen Einflussvariablen korreliert oder interagiert. Für die Forschungspraxis reicht es sogar oft anzunehmen, dass die Ursachenvariable mit der Gesamtwirkung aller anderen Variablen unkorreliert ist. Die Ceteris-paribus-Bedingungen werden damit auch dann als erfüllt angesehen, wenn die gleich- und gegensinnig wirkenden Abhängigkeiten zw. den versch. Randbedingungen sich gegenseitig ausgleichen (schwache K.). Evidenzbasierung, randomisierte kontrollierte Studie

Referenzen und vertiefende Literatur

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