Klein, Melanie

 

[HIS, KLI], Psychoanalyse, österreichisch-ungarische Psychoanalytikerin, wurde am 30.3.1882 in Wien geb. und starb am 22.9.1960 in London. Sie gilt als Pionierin der Kinderpsychoanalyse und der Objektbeziehungstheorie sowie als «originellste Neuerin der Psychoanalyse» (Kristeva, J.). Nach ihren Lehranalysen bei Sandor Ferenczi und Karl Abraham ließ sie sich 1926 in London nieder und begründete mit ihrem im selben Jahr erschienenen Sammelband Die Psychoanalyse des Kindes ihren Ruf als innovative Kinderanalytikerin. Sie entwickelte die psychoanalytische Spieltechnik, entdeckte das kindliche Spielen als Mittel der therap. Kommunikation und Äquivalent der freie Assoziation. Klein scheute sich nicht, sehr junge Kinder psychoanalytisch zu behandeln, d. h., ihre unbewussten Konflikte in der Übertragung zu erfassen und sie durch kindgerechte Deutungen bewusst zu machen. Entgegen der von Sigmund Freud und Anna Freud vertretenen Lehrmeinung, dass das neugeborene Kind innerlich in einem objektlosen, primärnarzisstischen Zustand lebt, geht Melanie Klein davon aus, dass der Säugling von Anfang an auf ein Objekt (die Brust, die Mutter) gerichtet ist. Gestützt auf ihre klin. Erfahrungen sowie auf systematische Säuglingsbeobachtung zeigte sie, dass die Objektbeziehungen und ihre inneren Repräsentationen von Anfang an im Zentrum des emot. Lebens stehen. Von dieser Prämisse ausgehend, entwickelte sie ihre innovativen, bis heute einflussreichen Grundkonzepte: Im kontinuierlichen Austausch mit seinen Objekten, insbes. der Mutter, entfaltet sich im Wechselspiel von Introjektion und Projektion die innere Objektwelt des Kleinkindes. Diese ist zunächst stark polarisiert, d. h. aufgespalten zw. guten und bösen, idealisierten und entwerteten inneren Objekten. Der Säugling ist nach Klein von destruktiven, sadistischen Triebregungen und Fantasien erfüllt, die er gegen seine inneren und äußeren Objekte richtet. Dadurch entwickeln sich massive Ängste, dass sich die angegriffenen Objekte i. S. der Vergeltung gegen das Ich des Säuglings wenden und dieses vernichten könnte. Diese Verfolgungs- und Vernichtungsangst wird im weiteren Entwicklungsverlauf zunehmend von schuldhaft depressiven Ängsten um das von den eigenen destruktiven Fantasien bedrohte Objekt überlagert. Im ersten Lebensjahr findet auf diese Weise der für die Klein’sche Entwicklungstheorie entscheidende Übergang von der paranoid-schizoiden zu der depressiven Position statt. Die theoretischen Konzepte Melanie Kleins haben u. a. zu einem tieferen psychoanalytischen Verständnis der sog. frühen Störungen, z. B. der Psychosen oder der Borderline-Störung geführt.

Referenzen und vertiefende Literatur

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