Koalitionsbildung

 

(= K.) [engl. coalition formation; lat. coalescere sich verbinden, zusammenwachsen], [SOZ, WIR], ist der Prozess der Bildung von zeitlich begrenzten Bündnissen oder Zusammenschlüssen, die durch koordiniertes bzw. gemeinsames Handeln best. Ziele erreichen möchten. Solche Koalitionen können von zwei oder mehreren Einzelpersonen eingegangen werden oder auch auf der Ebene größerer sozialer Systeme, also bspw. von Gruppen, wirtschaftlichen Organisationen, politischen Parteien oder Nationen. Grundlage für die K. sind Gemeinsamkeiten bei den Zielen der Koalitionsmitglieder, doch gleichzeitig bestehen auch z. T. gegensätzliche Einzelinteressen, weshalb die psychol. Forschung hierzu dem Bereich Mixed-Motive-Interaktionen zugerechnet werden kann (Komorita & Parks, 1995). Einerseits wird also in Koalitionen kooperiert, um Ziele zu erreichen, andererseits herrschen auch widerstreitende Interessen, bspw. wenn es um die Aufteilung erzielter Gewinne unter den Koalitionsmitgliedern geht. Exp. Grundlagenforschung zur K. nutzt in starkem Maße den Forschungsansatz exp. Koalitionsspiele, um zu untersuchen, welche Faktoren die Bildung von Koalitionen begünstigen und die Aufteilung der erzielten Ergebnisse bestimmen. Die K. wird dabei oft als Verhandlungsprozess verstanden, wobei die Ziele und Interessen sowie die Ressourcen und strategischen Optionen potenzieller Mitglieder sowohl die Bildung von Koalitionen als auch die Aufteilung der Gewinne innerhalb derselben beeinflussen. Bedeutende Anwendungsfelder der Forschung zur K. sind wirtschaftliche oder politische Koalitionen zw. Parteien, Organisationen oder Nationen. Die psychol. Forschung liefert hier Erklärungsansätze für Prozesse im Schnittbereich zu Ökonomie, Soziologie und Politikwissenschaften. Daneben stellt die Entstehung von Koalitionen aus Einzelpersonen in Gruppenprozessen einen wichtigen Bereich dar (Crott, 1980). Die Analyse und gezielte Veränderung von innerfamiliären Koalitionen ist auch in der strukturellen systemischen Familientherapie (Systemische Therapie) von Bedeutung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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