Körperbautypen

 

(= K.) [engl. somatotypes, constitutional types; gr. τύπος (typos) Form, Gepräge], syn. Konstitutionstypen (Konstitution), [PER]typ. Grundformen des menschlichen Körperbaus, denen charakteristische Persönlichkeitsmerkmale oder die Anfälligkeit zu best. psychiatrischen Erkrankungen zugeordnet wurden. Viele der älteren Typologien beruhen auf purer sprachlicher Assoziation, z. B. dünn – dünnhäutig – empfindlich. Ernst Kretschmer begründete die erste empirisch begründete Typologie, die im deutschsprachigen Raum bis in die 1960er-Jahre sehr einflussreich war (Kretschmer, 1961). Dessen K. beziehen sich auf Art und Grad der Entwicklung der Körperhöhlen (Kopf, Brust und Bauch), des Bewegungsapparates (Schultergürtel und Arme, Beckengürtel und Beine), der Körperenden (Nase, Kinn und Ohren, Hand- und Fußgelenke, Hände und Füße) sowie der Körperoberfläche (Hautbeschaffenheit und Behaarung). Der K. wurde metrisch durch zahlreiche absolute und relative Maße erfasst (z. B. Pignet-, Kretschmer-, Westphal-Index). Die drei Grundtypen Kretschmers waren: (a) der Leptosome (Astheniker) – mager, schmal aufgeschossen, scharf profilierte Konturen, (b) der Pykniker – rundlich, gedrungen, untersetzt, kurze Gliedmaßen, Neigung zu Fettansatz, (c) der Athletiker – breit ausladende Schultern, straffer Bauch, relativ schmales Becken, betontes Muskel- und Knochenrelief. Neben diesen Grundtypen wurden eine Reihe dysplastischer Spezialtypen beschrieben. Kretschmer fand bei der Vermessung von psychiatrischen Pat. signifikante Zusammenhänge zw. den drei K. und den Diagnosen schizophren, epileptisch und manisch-depressiv, die sich in späteren Untersuchungen jedoch als Scheinkorrelationen erwiesen, denn die Zusammenhänge beruhten lediglich auf dem Alter der Pat. (nach Kontrolle des Alters gab es keine oder nur sehr schwache Zusammenhänge zw. K. und Erkrankung; Anastasi, 1971). Ähnliches gilt für die von Sheldon (1948) berichteten Zusammenhänge zw. den Temperamentstypen (Temperament) Zerebrotonie, Viszerotonie und Somatotonie und den K. Ektomorphie (entspricht den Leptosomen), (b) Endomorphie (entspricht den Pyknikern) und (c) Mesomorphie (entspricht den Athletikern). Neben altersbedingten Korrelationen waren diese Zusammenhänge dadurch überhöht, dass die K. und die Temperamentstypen durch Personen beurteilt wurden, die Sheldons Hypothesen kannten (Anastasi, 1968).

Nach diesen Fehlschlägen wurde der Ansatz, Zusammenhänge zw. K. und Persönlichkeit zu finden, aufgegeben. Hingegen weisen quant. Maße des Körperbaus deutliche Zusammenhänge mit Attraktivität und deshalb auch mit Partnerwahl und sexuellem Verhalten auf, insbes. die Symmetrie des Gesichts, der Body-Mass-Index (BMI) und das Verhältnis von Taillenumfang zu Hüftumfang bei Frauen (waist-to-hip ratio WHR) und von Schulterbreite zu Hüftumfang bei Männern (shoulder-to-hip ratio SHR).

Referenzen und vertiefende Literatur

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