kognitive Kompetenzen, Kulturvergleich

 

[engl. cognitive competences, cross-cultural comparison], [KOG, PER, SOZ], zu kogn. Kompetenzen (= k.K.) gehören Intelligenz (Denkfähigkeit, Denken), Wissen (Verfügung über relevante und wahre Inhalte) und die intelligent-verstehende Verwendung von Wissen. Kulturvergleich impliziert oft einen Vergleich über versch. Staaten, i. e. S. aber über versch. Kulturen, wobei die «Verschiedenheit» immer graduell und nicht frei von Akzentsetzungen ist (Kulturvergleichende Psychologie). Bekannt ist die Einteilung von Samuel Huntington: Westen (katholisch-protestantisches Europa, Nordamerika, Australien-Neuseeland), Osten (europäisch-orthodoxes Europa), Lateinamerika, Islam (von Marokko bis Indonesien), Indien, China, Japan und Subsaharaafrika. Die Trennung zw. China und Japan wird sonst nicht vorgenommen (Ostasien einschließlich Korea). Gröbere Einteilungen wären modern vs. vormodern nach versch. Kriterien (Schriftkultur, Industrialisierung, Säkularisierung) oder vornehmlich nach Wohlstand: Erste vs. Dritte Welt oder Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer. Kulturvergleiche können auch innerhalb von Staaten vorgenommen werden.

Kulturvergleichende Denk- und Intelligenzforschung findet in fünf unterschiedlichen Paradigmen statt: (1) historische Ethnokognitionsforschung (alltagsnahe Aufgaben, Mythen, Denken; Lévy-Bruhl, Lurija, Hallpike), (2) genetische Epistemologie (alltagsnahe Experimente; Piaget, Oesterdiekhoff), (3) Psychometrie (Intelligenztest, vor allem figurale; Lynn), (4) Schulleistungsstudien (Literacy der kogn.-schulischen Moderne; Schulleistungsstudien, Large Scale Assessment, PISA-Studien, TIMSS) und (5) Wirtschaftswissenschaften (meist Bildungsindizes in Humankapitalforschung, Humankapital).

Hauptproblem ist, zw. k.K. und akzidentellen lokalen Variationen zu unterscheiden. Eine radikale, kulturrelativistische Position lehnt Kulturvergleiche ab, da Intelligenz und Wissen immer kulturspezifisch versch. und nicht auf einem weltweit einheitlichen Maßstab abbildbar seien. Die oben skizzierten Modelle haben über inhaltliche Begründungen, testdiagnostische Entwicklung (Testkonstruktion) und stat. Prüfungen versucht, dieser Kritik zu begegnen (Testfairness). Andere Autoren (Earl Hunt) verneinen nicht die Kulturrelativität, verweisen aber darauf, dass für die weltweit westlich geprägte Moderne best. Kompetenzen notwendig seien. Inhaltliche Begründungen def. Intelligenz oder relevantes Wissen (Fähigkeit zum Denken, kogn. Perspektivenwechsel (Perspektivenübernahme), unabhängige Variation von Faktoren, rational-empirisches Denken, induktives und deduktives Schlussfolgern (Schließen, logisches), Literacy). Figurale Intelligenztests versuchen, kulturspezifische Anforderungen zu vermeiden. Übersetzungen werden vor Ort geprüft. Übungsaufgaben sollen Testvertrautheit erhöhen. Statistische Prüfungen untersuchten Faktorenstruktur (Faktorenanalyse, exploratorische, Faktorenanalyse, konfirmatorische), Homogenität und Validität. Repräsentativität (Repräsentativbefragung) der Stichproben (Stichprobe) wird zu erreichen versucht, ist aber oft problematisch (etwa China in PISA 2009; OECD (Organisation for economic cooperation and development) 2010). Migranten verzerren z. T. Ländermittel (etwa in den Emiraten). Solange aber best. Kulturen Bildung, Denken, Wissenserwerb und günstige Entwicklungsumwelten mehr fördern als andere (Protestantismus vs. Katholizismus; Judentum vs. Islam; Konfuzianismus vs. Animismus etc.), werden sich in k.K. Unterschiede zeigen.

In Studien liegen meist Ostasien und Finnland vorn, dann Nordwestmitteleuropa und Nordamerika sowie Australien-Neuseeland, dann Osteuropa, dann Südeuropa, dann Lateinamerika und ähnlich der arabisch-muslimische Raum bis Südwestasien, schließlich Schwarzafrika (Subsaharaafrika). Als Ursachen für Kompetenzunterschiede werden Bildung, Kultur, Gene, Wohlstand, Modernisierung, Politik, Geografie und Messartefakte diskutiert. Kausalfaktoren sind voneinander abhängig (so wirkt Kultur über Bildung und Erziehung).

Verwendete Literatur

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