Kohärenzgefühl

 

(= K.) [engl. sense of coherence; lat. cohaerere zus.hängen], [GES], das theoret. Konzept des K. wurde vom Med.soziologen Aaron Antonovsky (1979) entwickelt und ist das Kernstück des Modells der Salutogenese [engl. salutogenesis]. Es beschreibt eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Maße man ein durchgehendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl der Zuversicht hat, dass (1) die Ereignisse der inneren und äußeren Umwelt im Laufe des Lebens strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind; (2) die Ressourcen verfügbar sind, um den durch diese Ereignisse gestellten Anforderungen gerecht zu werden; und (3) diese Anforderungen als Herausforderungen zu verstehen sind, die es wert sind, sich dafür einzusetzen und zu engagieren (Antonovsky, 1987). Diese drei Komponenten bestimmen den Inhalt dieser Lebensorientierung (Faltermaier, 2005). Das Gefühl der Verstehbarkeit ist ein kogn. Moment (Kognition) und bezieht sich auf die Wahrnehmung der inneren und äußeren Umwelt als verstehbar und geordnet. Das Gefühl der Bewältigbarkeit [engl. sense of manageability] bezieht sich auf die subj. Kontrollierbarkeit der auf Menschen im Laufe ihres Lebens zukommenden Anforderungen. Das Gefühl der Sinnhaftigkeit [engl. sense of meaningfulness] beschreibt als motivationale Komponente (Motivation), inwiefern ein Mensch das eigene Leben und seine Umstände als persönlich wichtig, sinnvoll und emot. bedeutsam wahrnimmt. Das K. entsteht aus den Erfahrungen im Leben, v. a. aus der Konsistenz, der sozialen Teilhabe und der Balance von Anforderungen, die Menschen auf Basis der ihnen verfügbaren allg. Widerstandsressourcen machen. Es ist über die Wahrnehmung und Bewertung [engl. appraisal] von Stressoren [engl. stressors] sowie die Mobilisierung geeigneter allg. Widerstandsressourcen [engl. generalized resistance resources] an der Spannungsbewältigung [engl. Coping] wirksam und nimmt über die (erfolgreiche) Bewältigung pos. Einfluss auf die Gesundheit. Das K. lässt sich mithilfe des von Antonovsky (1987) konzipierten Fragebogens zur Lebensorientierung messen. Obschon es kritische Diskussionen um die Validität des Instruments gibt, wird es (oder meth. Weiterentwicklungen) in der aktuellen salutogenetischen Forschung vielfach verwendet. Die empir. Fundierung des Konstrukts belegt pos. Zus.hänge zw. dem K. und Indikatoren psych. sowie teilweise körperlicher Gesundheit (Bengel et al., 1998). Diese beruhen inzw. nicht mehr nur auf Querschnittstudien, sondern auch auf den Ergebnissen von großen Längsschnittstudien (Faltermaier, 2017), was die Validität des Konstrukts deutlich erhöht. Die von Antonovsky noch angenommene Stabilität des K. im mittleren Erwachsenenalter kann aber nach der akt. Forschung nicht bestätigt werden.

Referenzen und vertiefende Literatur

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