Kokonstruktion

 

 

[engl. coconstruction; lat. co- zusammen, construere errichten], [EW, PÄD], anknüpfend an Grundannahmen des Konstruktivismus wird mit dem Begriff der Kokonstruktion die Bedeutung sozialer Interaktionen und (meist sprachlicher) Aushandlungsprozesse zw. zwei und mehr Personen für indiv. Lern- und Bildungsprozesse hervorgehoben. Über diese generelle Einordnung hinaus wird der Begriff der Kokonstruktion sehr breit und uneinheitlich verwendet. Der mitunter stark abweichende Wortgebrauch ist dabei hauptsächlich seiner Verwurzelung in unterschiedlichen Begriffstraditionen geschuldet. In Anschluss an J. Youniss werden Aushandlungs- und Kooperationsprozesse unter eher gleichberechtigten Interaktionspartnern (Freundschaftsbeziehungen (Peergroup) als Kokonstruktion bez., wenn diese durch wechselseitige Rückmeldungen (Feedback), Kompromisse, Austausch von Sichtweisen etc. für alle Beteiligten neue Perspektiven sozialen und moralischen Lernens eröffnen. Während in dieser Sicht die Möglichkeiten der Kokonstruktion unter konstitutiv ungleichen Interaktionspartnern (z. B. Erwachsener – Kind) als sehr begrenzt eingeschätzt werden, wird mit dem Begriff der Kokonstruktion auf der anderen Seite gerade auf die spezif. Bedeutung der Beziehungen zw. kompetenteren Anderen und dem Lernenden hingewiesen. So wird in Anschluss an L.S. Vygotskij (Entwicklung, soziokultureller Ansatz nach Wygotski/Vygotskij) bes. die kult. Verankerung indiv. Entwicklungsprozesse betont. Lernprozesse (Lernen, Lernforschung) in kult. geprägten Handlungsstrukturen vollziehen sich demnach zunächst durch Interiorisierung von und zunehmend autonome und geläufige Teilnahme an kult. Diskursen. In Abgrenzung zum Begriff der indiv. Selbstbildung findet der Begriff der Kokonstruktion aktuell in der Elementarpädagogik (Vorschulerziehung) Verwendung, um neben der kindlichen Aktivität die unverzichtbare Rolle kompetenterer Personen (Eltern, Erzieherinnen und Lehrpersonen) für die kognitive Entwicklung und soziale Entwicklung zu betonen. I. d. S. wird die aktiv rekonstruierende Kokonstruktion als Schlüssel zur Umformung basaler psych. Funktionen in kult. geprägte höhere geistige Funktionen gesehen und setzt solche Interventionen (Vermittlung, Unterstützung, Anregung) durch kompetentere Interaktionspartner voraus.

Referenzen und vertiefende Literatur

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