Kommunikation

 

(= K.) [engl. communication; lat. communicare etwas mitteilen, sich besprechen], [SOZ], bezeichnet einen Prozess, in dem ein Individuum bzw. eine Gruppe von Individuen Informationen über Ideen, Gefühle und Absichten einer anderen Person bzw. einer Gruppe von Personen übermittelt. Neben dem Informationsaustausch sind dabei motivationale, emot. und soziale Aspekte bedeutsam, sodass K. über die reine Übermittlung einer Botschaft hinausgeht. K. hat versch. Funktionen. Sie dient dazu, Informationen zu vermitteln, Entscheidungen vorzubereiten, Motivation zu erzeugen oder ein gewünschtes Image durch Eindrucksmanagement herzustellen (Selbstdarstellung). K. kann differenziert werden in verbale (mündliche, schriftliche K.) und nonverbale K. (z. B. Mimik, Gestik, Stimme, persönliche Erscheinung; nicht verbale Kommunikation).

Versch. sozialpsychol. Modelle bilden unterschiedliche Aspekte der K. ab. Ihnen allen liegt die Annahme zugrunde, dass K. zw. Sender und Empfänger in mehreren Stufen verläuft, auf denen die K. gestört werden kann (Kommunikationsbarrieren; Bovée & Thill, 2008). Als Resultat der K. dekodiert der Empfänger die Botschaft. Wie die Dekodierung abläuft, wird in vier unterschiedlichen K.modellen dargestellt (nach Kraus & Chiu, 1998):

I. Kodierer-Dekodierer-Modell, das die Bedeutung der Kodierung und Dekodierung des Inhalts der Botschaft in den Vordergrund rückt. Bovée & Thill (2008) unterscheiden acht Schritte der K.: (1) Sender hat eine Idee, (2) enkodiert sie als Botschaft, (3) produziert die Botschaft in einem Medium und (4) übermittelt sie in einem Kanal. (5) Publikum empfängt Botschaft, (6) dekodiert sie, (7) antwortet und (8) gibt Feedback. Die Botschaft kann z. B. verbal, schriftlich, nonverbal oder elektronisch übermittelt werden. Für die Übermittlung steht eine Vielzahl von Techniken zur Verfügung (Telefon, E-Mail, SMS usw.), die ihre eigenen Gesetze haben. In dem Modell wird ferner davon ausgegangen, dass bei der Übermittlung der Botschaft ein «Rauschen» entstehen kann, das die Nachricht für den Empfänger entstellt oder es ihm erschwert, die Nachricht zu verstehen. Folglich kann es zu Missverständnissen oder Fehlinterpretationen des Inhalts der Botschaft kommen.

II. Intentionalitätsmodell: Konversation stellt ein kooperatives Anliegen von Sender und Empfänger dar, das von dem kooperativen Prinzip bestimmt wird. Erfolgreiche K. stellt den Austausch von kommunikativen Intentionen dar. Das Mittel dafür ist die Botschaft. Intention und Wörter weisen keine eindeutige Beziehung auf: Sprecher wählen aus mehreren möglichen Alternativen die aus, die ihre Intention am besten ausdrückt. Weiterhin gilt: Die Dekodierung des wörtlichen Sinns der Botschaft durch den Empfänger ist nur ein erster Schritt. Ein weiterer Schritt ist der Schluss auf die kommunikative Intention. Wenn der Empfänger die Intention des Senders richtig erschließt, ergibt sich eine sozial geteilte Bedeutung. Nach dem englisch-amerikanischen Sprachphilosoph Grice (1969) ist eine Nachricht intentional, wenn der Sprecher intendiert, einen Effekt zu erzeugen (die Sichtweise des Zuhörers zu beeinflussen), und wenn der Sprecher dieses Ziel erreichen will, indem der Zuhörer seine Intention erkennt. Damit die Konversation funktioniert, sollte die Botschaft nach best. Maximen aufgebaut sein, die den kooperativen Austausch in der K. zwischen Menschen erleichtern. Die Maxime der Qualität besagt z. B., dass ein Sprecher keine falschen Darstellungen geben und sich auf das beschränken sollte, was wichtig ist.

III. Modell der Perspektivenübernahme: Der Sprecher kann dann erfolgreich kommunizieren, wenn er die Perspektive des Zuhörers übernimmt. Es findet eine Abstimmung und damit eine Anpassung an das Publikum statt als Sicheinstellen auf die Kontextgegebenheiten, um das Verstehen der Nachricht zu erleichtern. Andererseits kann das Publikum die Nachricht besser deuten, wenn es die Perspektive des Senders einnimmt und ein «gemeinsames Wissen» unterstellt. Das gemeinsame Wissen verweist auf den von Sprecher und Publikum geteilten interpretativen Kontext. Perspektivenübernahme wird durch Empathie erleichtert. Darstellungen des Sprechers berücksichtigen die Vorlieben des Hörers und gehen auf sie ein. Dadurch entsteht eine einseitig verzerrte Sichtweise, die einen saying is believing-Effekt der Selbstüberzeugung zur Folge haben kann. Im Weiteren kann es zu einem audience congruent memory bias des Sprechers kommen (Echterhoff et al., 2008).

IV. Dialogmodell: betont die verbale Interaktion, in der Sprache verwendet wird. Die Face-to-Face-Interaktion ist der Zusammenhang, in dem Sprache in der Evolution des Menschen entwickelt wurde. Besonderheiten sind: real-time constraints für Produktion und Verstehen der Sprache sowie Responsivität. Damit verbunden ist die Anforderung, in einem kontinuierlichen Prozess in Echtzeit Inhalt zu konzipieren, die linguistische Struktur zu formulieren und die Botschaft nachzuvollziehen. Das Ziel der K. ist die Entwicklung von Intersubjektivität. In dem kollaborativen Modell von Clark (1985) wird der Aspekt der Koordination zw. den Beteiligten in einer Konversation hervorgehoben. Koordination beruht auf expliziter Übereinstimmung, Salienz, gemeinsamer Vorgeschichte, Konvention oder Abstimmung zw. Sprecher und Publikum, die sich gegenseitig versichern, dass sie eine gemeinsame Realität kreiert haben.

Das Vier-Seiten-Modell der Kommunikation von Schulz von Thun unterscheidet in seinem Vier-Seiten-Modell der K. aufbauend auf Watzlawick et al. (2011) vier Bedeutungen einer Botschaft: (1) die Darstellung des eigentlichen Sachverhalts (Sachinhalt); (2) ein Hinweis auf die subj. Def. zw. Sender und Empfänger (Selbstoffenbarung); (3) Selbstdarstellung des Senders einschließlich Eindrucksmanagement (Beziehungsaussage); und (4) eine Instruktion für den Empfänger (Appell). Bspw. enthält der an den Fahrer gerichteten Kommentar eines Beifahrers: «Du, da vorne ist rot!» vier Botschaften: (1) «Die Ampel ist rot.» (Sachinhalt), (2) «Ich bin vorsichtig.» (Selbstoffenbarung), (3) «Du brauchst meine Hilfestellung.» (Beziehungsaussage) sowie (4) «Bremse!» (Appell). I. S. des Kodierer-Dekodierer-Modells werden durch einen Sender somit unterschiedliche Inhalte kodiert, die der Empfänger seinerseits dekodiert.

Damit eine K. erfolgreich ist, sollten nicht nur Kommunikationsbarrieren vermieden werden, sondern auch Regeln für die Bereitstellung überzeugender Botschaften beachtet werden: Die Nachricht sollte für den Empfänger nachvollziehbar sein, Sätze sollten kurz und verständlich sein, die Nachricht sollte gut strukturiert sein (vom Allgemeinen zum Besonderen) und auf dem Kanal übermittelt werden, der ihrer Komplexität entspricht (komplexe Inhalte eher schriftlich als mündlich mitteilen), und wichtige Sachverhalte sollten wiederholt werden (Herstellung von Redundanz). Außerdem sind die Gesetzmäßigkeiten einer erfolgreichen Einstellungsänderung zu beachten (Bierhoff, 2008).

Durch die Globalisierung kommt der interkulturelle Kommunikation (Kommunikation, Globalisierung der) bes. Bedeutung zu (Bovée & Thill, 2008), die den Erfolg der K. erschweren kann, weil kult. Missverständnisse entstehen können. Man unterscheidet im Hinblick auf Organisationen zw. low context cultures (wie Dt., Skandinavien, USA, Frankreich, Großbritannien) und high context cultures (wie Japan, China, arabische Länder, Griechenland, Spanien, Italien). Während erstere auf zentral kontrollierte Information mit Betonung obj. Sachverhalte ausgerichtet sind, sind letztere durch allg. geteilte Information, Betonung subj. Beziehung und kurzfristige Absprachen gekennzeichnet. Zusätzlich sind auch kult. Unterschiede in der nonverbalen K. zu beachten.

Referenzen und vertiefende Literatur

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